Training: Deshalb ist die Uhr der beste Trainingspartner

Beat the clock!

Deshalb ist die Uhr der beste Trainingspartner

Erholungszeiten zwischen zwei oder mehreren Intervallen werden in der Literatur in festen Pausenangaben formuliert, um die Übertragbarkeit auf Sportler aller Leistungsklassen zu ermöglichen. Das ist notwendig, um Trainingssysteme zu standardisieren. Doch irgendwie steckt in dieser Angabe immer auch ein Kompromiss.

Bringen Sie noch mehr Effizienz und Qualität in Ihr Training, schwimmen Sie mit dem besten Trainingspartner, den es gibt: die Uhr!

Der beste Trainingspartner? Verstehen Sie das bitte nicht als Aufruf, auf Ihre lieb gewonnenen Trainingskameraden zukünftig zu verzichten. Ganz im Gegenteil: das Training in der Gruppe entfaltet Motivation und Freude. Nein, es geht hier vielmehr darum, das eigene Training noch interessanter, attraktiver und auch objektiver zu strukturieren. Und dafür könnte die Trainingsuhr genau der richtige Partner für Sie sein.

Nimmt man ein Beispiel einer Serie von 8x100m gleichmäßig im GA1-Bereich mit einer Pausenzeit von 30 Sekunden zur Hand, wird das deutlich. Angenommen, Sie schwimmen dabei den ersten 100er in 1.35 Minuten, halten 30 Sekunden Pause ein, schwimmen den zweiten 100er in 1.39 Minuten, halten Ihre Pause wiederum exakt ein, schwimmen den dritten in 1.43 Minuten, pendeln sich danach in etwa in diesem Tempobereich ein, so sähe das so aus:

  1. 100m 35 Minuten                       30 Sekunden Pause
  2. 100m 39 Minuten                       30 Sekunden Pause
  3. 100m 43 Minuten                       30 Sekunden Pause
  4. 100m 43 Minuten                       30 Sekunden Pause                     usw.

So könnte man nun zunächst sagen, dass die Belastung durch die Pausenzeiten reguliert und auch bestens eingehalten wurde. Aufgabe erfüllt? Sieht man sich die Zeiten nun an, so erkennt man zwei Dinge. Erstens wurden die ersten beiden Intervalle wahrscheinlich in einem zu hohen Tempo angegangen und/oder die Grundlagenausdauer ist noch nicht in dem Maße vorhanden, dass Sie acht 100er-Intervalle gleichmäßig schwimmen können. Zwei Lernprozesse, die Aufgabe eigentlich nicht erfüllt aber kein klares Feedback erhalten. Dabei könnte die Pausenzeit durchaus ein aktives Steuerungsinstrument für Sie sein. Und so geht´s.

Ab sofort feste Abgangszeiten

Nehmen Sie sich die Uhr zukünftig als Trainingspartner, so sollten Sie von den festen Pausenzeiten abgehen und zu festen Abgangszeiten übergehen. Dann nämlich erhielten Sie ein klares Leistungsfeedback. Denn eigentlich besteht für den Sportler kaum ein Anreiz, seine Intervallzeiten zu betrachten, wenn die Pause doch immer gleich lang ist. Wechseln Sie in diesem Beispiel hingegen zu einer festen Abgangszeit von 2.10 Minuten, also jeweils mit Start nach 2.10 Minuten, so verändert sich die Pause in dem Maße, wie Ihre Leistung schwankt. Die genannte Serie sähe dann wie folgt aus:

  1. 100m 35 Minuten                       35 Sekunden Pause
  2. 100m 39 Minuten                       31 Sekunden Pause
  3. 100m 43 Minuten                       27 Sekunden Pause
  4. 100m 43 Minuten                       27 Sekunden Pause                     usw.

Spontane Erkenntnis, die Sie auf Grund der sich ändernden Pausenlängen gewinnen könnten? Das nächste Mal lieber gleich etwas defensiver mit einem Tempo um 1.40 Minuten angehen und diese Zeit möglichst acht Mal hintereinander, ohne Schwankungen, schwimmen. Denn in diesem Falle könnte die kürzer werdende Pause zudem dafür sorgen, dass die Zeiten im weiteren Verlaufe der Serie weiter fallen und Sie damit einen deutlichen Hinweis darauf bekommen, die Serie deutlich zu schnell angeschwommen zu sein.

Damit erhalten Sie ein objektives Leistungsfeedback, werden angehalten die Trainingsaufgabe noch sorgfältiger auszuführen und bekommen eine Menge Motivation gratis hinzu. Denn von nun an, könnte diese Serie auch als Testserie dafür genutzt werden, im Verlaufe der Saison eine Steigerung der Schnittzeit zu realisieren.

Besser organisiert und motiviert mit der Uhr

Nehmen Sie sich deshalb vor, wenn Sie es nicht schon getan haben, für Ihre Hauptserien strikt nach Abgangszeiten zu trainieren. Auch in der Trainingsgruppe lässt sich das mit kleineren Kompromissen in die Tat umsetzen, führt damit auch zu einer deutlich strafferen Organisation und gibt Ihnen in jeder Übungseinheit die Gelegenheit, Ihre Form zu überprüfen.

Und selbst, wenn Sie in der Gruppe in einem solchen Fall eine etwas verkürzte Pause haben werden, so werden Sie im Laufe der Saison und einer immer besser werdenden Verfassung später mit längeren Pausen belohnt. Folgerichtig gelten Serien mit fester Abgangszeit auch als ideale Testserien zur Leistungsdokumentation innerhalb der Saison als auch darüber hinaus. So werden im Leistungssport Serien über Jahre hinweg mit identischer Abgangszeit geschwommen, um die Entwicklung darstellen zu können.

Die Trainingsuhr ist demzufolge deutlich mehr als nur Taktgeber für Pausen. Wir wünschen Ihnen deshalb viel Spaß bei „beat the clock“!

Von Holger Lüning

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