Die häufigsten Technikfehler Teil 2/2

Schwimmen ist eine technische Sportart, die mit der Problematik behaftet ist, dass man sich während der Ausübung nicht selber beobachten kann. Das erschwert die Technikoptimierung. Im zweiten Teil „Die häufigsten Technikfehler“ haben wir nochmals 4 Technikfehler identifiziert, die häufig zu sehen sind.

Teil 1 (Klick hier):

  1. Kopfsteuerung
  2. Wasserfassen
  3. Handgelenk

  1. Mehrfach-Effekte der Beinarbeit

Häufig wird die Beinarbeit als eine unwichtige, zum Teil gar lästige Zutat betrachtet. Doch auch wenn der Anteil zum Gesamtvortrieb längst nicht dem der Arme entspricht, so erfüllen die Beine doch einige wichtige Aufgaben im technischen Gesamtkontext. Bei den Wechselschwimmarten Kraul und Rücken, sorgen die Beine neben einer Propellerwirkung auch für die Stabilisierung der Wasserlage. Zum einen in der Höhe der Position wie auch in der Stoßrichtung. Das heißt, wenn es Unregelmäßigkeiten in der Vortriebsrichtung gibt, so korrigieren dies ausschließlich die Beine. Beim Delfinschwimmen steht die Beinarbeit in unmittelbarem Zusammenhang mit der Stabilität des Rumpfes und einer optimalen Wasserlage. Dies ist deshalb sehr bedeutend, weil das Delfinschwimmen die einzige Schwimmart ist, bei der kurzzeitig beide Arme aus dem Wasser gehoben werden und somit lange Zeit keinen aktiven Vortrieb erzeugen.

Den größten Anteil an der Gesamtgeschwindigkeit hat die Beinarbeit beim Brustschwimmen. Durch die fulminante Grätsche bzw. das Stoßen der Beine nach hinten, wird in Abstimmung mit der Armarbeit ein erheblicher Vortrieb erzeugt, der für die anschließende Streckung wichtig ist.

Integrieren Sie das Training der Beinarbeit als aktiven Bestandteils Ihrer Einheiten. Schwimmen Sie sowohl explosive Sprintserien über 15 und 25 Meter, wie auch längere Serien zum Ende eines Trainings, um die Ermüdungsresistenz der großen Muskelgruppen zu verbessern. Damit wird sich die Gesamtperformance deutlich verbessern!

 

  1. Sagen Sie „ja“ zum Druck

„Bei den Spitzenschwimmern sieht das alles so leicht aus. Nur bei mir fühlt es sich so schwer an!“ Diese häufig zu vernehmende Aussage beschreibt eine nicht selten vorhanden Fehlannahme. Denn das, was man Überwasser wahrnehmen kann, ist lediglich ein Teil der Gesamtleistung. Hinzu kommt, dass diese wahrnehmbare Schwungphase der Erholung dient. Würde dies angestrengt aussehen, so würden die beobachteten Schwimmer auch etwas falsch machen. Der große Unterschied wird klar, wenn man sich die Unterwasserphase ansieht. Denn hier wird das Schwimmen zum Kraftsport! Nicht ohne Grund sehen die besten Schwimmer zum Teil sehr muskulös aus. Allein die Erzeugung eines Vortriebs in einem zähen Medium wie dem Wasser erfordert hohe spezifische Kräfte. Im Umkehrschluss heißt das: suchen Sie den Druck in der Unterwasserphase und arbeiten Sie gegen ihn. Nur wenn Sie kraftvoll und mit hohem Impuls gegen das Wasser drücken, können Sie Vortrieb erzeugen. Je höher die Geschwindigkeit Ihrer Hand gegen das Wasser ist, desto „härter“ wird das Wasser. Genau das ist Ihre Chance, schnell zu schwimmen!

  1. Der aktive Vorgang der Atmung

Der Sauerstoff in der Atemluft ist ein lebenswichtiger Energieträger und im Sport damit von besonderer Bedeutung. Deshalb ist ein aktiver Atemvorgang, vor allem auch weil er wegen der Schwimmtechnik in seiner Häufigkeit von vornherein limitiert ist, von immenser Wichtigkeit. Denken Sie stets daran, dass vor dem wichtigen Einsaugen frischer Luft das sorgsame Leeren der Lunge steht. Pusten Sie die verbrauchte Luft deshalb in einem fortwährenden Vorgang Unterwasser aus, so dass Sie am Ende, d.h. mit dem Auftauchen des Kopfes und des Gesichts noch einen Rest ausblasen können, um das um den Mundraum befindliche Wasser zu beseitigen.

Fehlt der aktive Vorgang des Ausatmens, kann es schnell passieren, dass Reste verbrauchter Luft in der Lunge verbleiben. Geschieht dies über mehrere Atemvorgänge, so erhöht das den sogenannten Totraum und damit das Volumen „schlechter“ Luft in der Lunge. Das Ergebnis kann eine frühzeitig eintretende Schnappatmung mit gleichzeitiger Reduzierung der Leistung sein. Limitieren Sie sich deshalb nicht selbst. Üben Sie das den aktiven Atemvorgang auch regelmäßig an und sensibilisieren Sie sich dafür, um während des Schwimmens das Optimum an frischer Luft einzusaugen.

 

  1. Die Rennzutaten: Start, Anschlag und Wenden

Ein 100-Meter-Wettkampf in einem 25-Meter-Becken besteht aus einem Startsprung, drei Wenden und einem Anschlag. Auch wenn sich das wie eine altbekannte Weisheit anhört, so stecken in dieser Aufzählung doch einige leistungsrelevante Momente. Momente, in den Sie Zeit gut machen oder auch verschenken können.

Das fängt beim Startsprung an. Versuchen Sie sich, neben einer möglichst schnellen Reaktion, explosiv vom Startblock zu lösen. Ein flacher Absprung- und damit auch Eintauchwinkel gilt durch die Erhöhung der Startblöcke und der Schrittstarttechnik als vorteilhaft. Trainieren Sie den Übergang vom Eintauchen bis zum Beginn der Gesamtbewegung. Hier gilt es, die individuell optimale Technik zu finden. Nicht immer ist eine lange Tauchphase mit eher schwachen Delfinkicks besser als eine verkürzte Unterwasserphase. Testen Sie die verschiedenen Varianten aus!

Das Anschwimmen an die Wand ist eine besondere Herausforderung. Besonders bei den Gleichschlagschwimmarten Brust und Delfin, kann der Rhythmus entscheidend sein, ob Sie mit optimal und gestreckt an die Wand kommen oder einen verkürzten Armzug durchführen müssen, der viel Schwung kostet. Trainieren Sie die verschiedenen Szenarien und versuchen Sie die bevorstehende Situation bestmöglich schon fünf Meter vor der Wand zu antizipieren, um die Zuglänge darauf abzustimmen. Für alle Schwimmarten ist es von enormer Bedeutung, aktiv und ohne Tempoeinbußen in die Wende zu gehen. Achten Sie sehr sorgsam darauf, dass Sie das Tempo nicht reuduzieren und damit wichtige Zehntelsekunden verlieren.

Ist das Rennen erst einmal beendet, so gilt der Merksatz „Die Bahn endet dort, wo die Wand beginnt!“ Schwimmen Sie mit vollem Engagement an die Wand heran. Wenn möglich reduzieren Sie Ihre Atmung auf den letzten fünf bis zehn Metern, um noch einmal eine strömungsoptimierte Position einzunehmen und damit das Schwimmtempo zu erhöhen.

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