Wissenschaft: Studien zum Schwimmen mit Paddles

Druck machen: Training mit Paddles

Der Einsatz von Hand- und Fingerpaddles oder Widerstandshosen ist mittlerweile für Schwimmer aller Leistungsklassen schon fast ein Standard. Doch welche Grundidee steckt eigentlich hinter dem Training solcher Hilfsmittel, speziell der „Handbretter“?

Es handelt sich hier um das sogenannte Overload-Training. Die Bedingung eines Overload-Trainings ist die Erschwerung der Bewegungsdurchführung, mit dem Ziel, einen erhöhten Trainingsreiz zu erzielen. Da das Bewegungsmuster nahezu identisch mit der normalen Ausführung ist, verspricht die Theorie somit optimale Anpassungsreaktionen und einen idealen Transfer in die Wettkampfsportart. Schließlich fordert die Überwindung höherer Widerstände einen größeren Krafteinsatz und soll demzufolge die disziplinspezifischen Kräfte entwickeln.

Spezifische Kräftigung

Das spezifische und isolierte Training der Antriebsmuskulatur, z.B. in Form von Kraul-Armarbeit und Ruhigstellung der Beine durch den Einsatz von Pullbuoys, wird im Schwimmsport regelmäßig eingesetzt. Schließlich kann man mit dieser Trainingsform die zu erwartende Wettkampfbelastung sehr realitätsgetreu trainieren und gleichzeitig die Schwimmmuskulatur spezifisch stärken. Doch beim Schwimmen in ganzer Lage, und das in allen Schwimmlagen, bietet die Vergrößerung der Antriebsfläche interessante Trainingsformen.

7.8% mehr Vortrieb mit Paddles

Sie werden es sicher selbst schon einmal bemerkt haben. Bis zu einer gewissen Streckenlänge wird Ihre Kraft ausreichen, um die vergrößerte Antriebsfläche der Paddles in eine höhere Geschwindigkeit umzusetzen. Studien des Wissenschaftlers Huub Toussaint ergaben, dass die Effizienz des Vortriebs bei der Nutzung von Paddles um durchschnittlich 7.8% zunimmt. Dabei kann es aber auch schon einmal passieren, dass man sich sehr stark auf die Komponente Kraft und weniger auf die technisch saubere Ausführung verlässt. Und genau an diesem Punkt könnte die Gefahr eines übermäßigen Trainings mit Paddles oder anderen widerstandserhöhenden Hilfsmitteln liegen.

Studie aus Frankreich

Eine Forschergruppe an der Universität Lille um Michel Sidney hat sich dieser Fragestellung angenommen. Dabei wurden acht Schwimmer auf nationalem Niveau einem Testschwimmen ohne und einem identischen Testschwimmen mit Paddles unterzogen. Gegenstand der Untersuchung war es, mögliche Technikveränderungen zu ermitteln.

Zunächst wurde auch hier eine deutliche Zunahme der Geschwindigkeit von mehr als 4% festgestellt. Diese zu erwartende Erkenntnis wurde durch weitere Parameter ergänzt. Bei beiden Tests wurden die Sportler angehalten, die Bewegungsfrequenz nahezu identisch zu gestalten, um Veränderungen in der Unterwasserphase vergleichend betrachten zu können. Und tatsächlich konnte eine signifikante Technikumstellung beim Schwimmen mit Paddles beobachtet werden.

Beim Schwimmen mit Paddles vernachlässigten die Sportler das Wasserfassen sowie die anschließende Zugphase. Gleichzeitig wurde die Druckphase deutlich verstärkt. Insgesamt gestaltete sich die Unterwasserbewegung demzufolge etwas dafür kürzer aber kraftvoller als beim normalen Schwimmen. Die deutlich vergrößerte Antriebsfläche führt also zu einer Veränderung des Zugmusters.

Schwimmen mit Paddles ist anders

Für die Praxis hat diese Erkenntnis eine große Bedeutung. Nicht nur, dass sich durch übermäßiges Schwimmen mit Paddles Technikänderungen einschleichen könnten. Zusätzlich ist anzunehmen, dass sich besonders Sportler auf Einsteiger- oder Hobbyniveau ein falsches Zugmuster aneignen könnten. Die fehlende spezifische Kraft könnte dazu führen, dass die Bewegung insgesamt zu langsam und technisch mangelhaft durchgeführt wird. Deshalb sollte diese Trainingsmittel nur gut dosiert eingesetzt werden.

Für die Praxis bedeutet das: Schwimmen Sie lieber etwas kürzere Strecken und vor allem nur dann mit Paddles, wenn Sie die Unterwasserbewegung kraftvoll durchführen können. Alternativ können Fingerpaddles wegen der kleineren Antriebsfläche zum Einsatz kommen. In stark ermüdeten Zustand verschlechtert sich evtl. nicht nur Ihre Technik – auch die Gefahr von Überlastungsschäden im Schulterbereich könnte bei Ausweichbewegungen rapide zunehmen. Kürzen Sie die Strecken deshalb so, dass die technische Qualität der Unterwasserbewegung sichergestellt ist.

Beispielhafte Serien:

8x25m mit 20 Sekunden Pause

8x50m mit 30-40 Sekunden

Einsatz der Paddles gut planen

Zusammenfassend bilden die Trainingsmethoden nach dem Overload-Prinzip viele Ansätze, um das Training zu bereichern. Allein die Möglichkeit mit einfachen Mitteln und ohne den Einsatz von Kraftmaschinen, ein sehr spezifisches und kräftigendes Training durchführen zu können, gibt dieser Trainingsform jede Berechtigung zur Aufnahme in Ihr Trainingsprogramm.

Am besten nutzen Sie diese Methoden höchstens zwei bis drei Mal in der Woche. Beschränken Sie sich auf zwei Einheiten in einer Disziplin oder maximal eine Einheit pro Disziplin und Woche. Idealerweise sind Sie von den Vortagen nicht allzu erschöpft. Die technisch exakte Ausführung ist eine Bedingung, damit Sie die Effekte voll nutzen können. Scheuen Sie sich deshalb auch nicht davor, ein Paddles-Training zu verkürzen, wenn Sie spüren, dass Ihre Kraft oder Konzentration nicht genügen, um die Technik gut umzusetzen.


Von Holger Lüning

 

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