Studie: Die Anthropometrie von Spitzenschwimmern

Die ideale “Bauweise” eines Top-Schwimmers

Folgt die Leistung einem bestimmten Körperbau?

Ein Thema, das immer wieder interessant ist. Welche körperlichen Voraussetzungen sollte ein Mensch haben, wenn er zu einem Spitzenschwimmer werden will. Unabhängig von den vielen weiteren beeinflussenden Faktoren (Stoffwechsel, konditionelle Fähigkeiten usw.) interessiert vor allem der Körperbau, da er maßgeblich Einfluss nimmt auf die Strömungs- und Widerstandseigenschaften des Schwimmers hat.

Wie verhält sich ein Körper im Wasser bezüglich Auftrieb, Verwirbelung und Widerstand. Nicht anders als beim Bootsbau entscheidet zunächst einmal die spezifische Form über das Potenzial. Und wenn man sich andere Sportarten vor Augen führt und sich dabei die besten Athleten der Welt ansieht, kommt man sehr schnell zu der Erkenntnis, dass offenbar genetische Faktoren über die Eignung, jemals eine Spitzenleistung erzielen zu können, entscheiden. Das klingt banal, wenn man z.B. die Statur eines Kugelstossers mit der eines Hochspringer der Weltklasse vergleicht. Doch gibt diese Beobachtung gleichzeitig viele Hinweise darauf, mit welchem Körperbau in welcher Sportart Höchstleistung möglich ist. Im Abgleich mit der Zielbewegung können darüber hinaus biomechanische Aspekte helfen, weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

Diese Erkenntnis kann Auskunft über die individuell optimale Technik geben und auch als wichtiger Maßstab für die Talentauswahl dienen. Um hier weitere Erkenntnisse zu sammeln, fassen wir eine Studie zusammen.

Title der Studie:

Anthropometric profile of advanced swimmers and the biomechanics of swimming

Autoren: Rejman, M., Bornikowska, A., Tyc, L., Kociuba, M., Rudnik, D. & Koziel, S.

Erschienen: Japanese Society of Sciences in Swimming and Water Exercise (Hrsg.), XIII th International Symposium on Biomechanics and Medicine in Swimming Proceedings (Biomechanics and Medicine in Swimming, XIII). (S. 99-107). 2018.

Inhalt der Studie

Ziel der Forschung war es, die anthropometrischen Indikatoren und Parameter von erfahrenen erwachsenen Schwimmern und Studenten zu vergleichen, die noch nie ein Schwimmtraining absolviert haben.

Methode

An der Untersuchung nahmen zwei Gruppen von Männern teil, deren Alter (18-25 Jahre) und soziotechnische Kriterien homogen waren. Schwimmer (n = 28), die sich auf verschiedene Strecken über 100 und 200 m spezialisiert haben, stehen für das hohe Niveau. Die Kontrollgruppe (n = 28) bestand aus Sportstudenten.

In beiden Gruppen wurden direkte anthropometrische Messungen (Körpergröße, Länge, Breite und Tiefe sowie Umfang der Segmente) durchgeführt. Zusätzlich wurden nicht standardmäßige Parameter wie Brusttiefe, Handlänge, Handflächenbreite, Handbreite, distale Unterarmepiphysenbreite, Ellbogenepiphysenbreite, Knieepiphysenbreite, Knöchel- und Fußbreite erfasst.

Darüber hinaus wurden 14 anthropometrische Indizes vorgeschlagen. Das anthropometrische Profil wurde auf der Grundlage normalisierter Mittelwerte erstellt und definierte einen Satz von 27 Parametern und Indizes, die die professionellen Schwimmer signifikant von der Kontrollgruppe (Test-T-Student) unterschieden.

Neue Erkenntnisse

Dementsprechend wurden einige zuvor nicht identifizierte somatische Merkmale von Schwimmern identifiziert: ein relativ längerer Schaft (Unterschied im Verhältnis von Knielänge zu unterer Extremität (+6,6 cm)); eine schlanke, längliche Form der Hand (Unterschied im Verhältnis von Handflächenbreite zu Handlänge (-2,1 cm)); und ein geringer Fußunterschied im Verhältnis von Fußbreite zu Fußlänge (-1,2 cm).

Fazit der Autoren

Die identifizierten Unterschiede zwischen den Gruppen in der somatischen Körperzusammensetzung von Schwimmern und ihre Bezugnahme auf die Gesetze der Biomechanik und Hydrodynamik geben den Ergebnissen eine beitragende Dimension, um die These zu bekräftigen, dass anthropologische Merkmale hilfreich sein können, um Faktoren zu identifizieren, die das Fortschreiten der Schwimmleistung begünstigen.

Unsere Anmerkung

Weshalb schwimmt man eigentlich in einem Neoprenanzug bis zu 8 Sekunden schneller über 100 Meter? Zuständig dafür ist einzig und allein eine höhere Wasserposition. Das gibt einen deutlichen Hinweise darauf, wie schnelles Schwimmen erzeugt werden kann. Nämlich indem wir uns der Auftriebskomponenten bewusst werden und diese spezifisch trainieren. In dem folgenden Video haben wir die Aspekte des Auftriebs beleuchtet. Einfach auf das Motiv klicken und schon startet der Clip.