Schneller Schwimmen #31: Leistungssteigerung aus dem Notizbuch

Pferde könnten schneller rennen, wenn sie schreiben könnten

Nur was man schreibt, das bleibt

Eine seltsam anmutende Überschrift. Doch was dahinter steckt, ist für jeden leistungsorientierten Sportler einer der Grundpfeiler der Leistungsplanung. Für Trainer übrigens ebenso, denn sie sind ja häufig die Strategen hinter der Trainingsplanung und deshalb aufgefordert, eine Strategie zu entwickeln. Experten meinen: eine Strategie muss ihr Fundament auf dem Papier haben. Wir wollen ergründen weshalb das wahrscheinlich richtig ist!

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Im Galopprennsport hat man die vergangenen Jahrzehnte versucht, das Genmaterial nachwachsender Generationen dahingehend zu optimieren, in dem die Eltern der Pferde im Regelfall bereits Rennpferde waren und womöglich schon deren Eltern. Das Ziel der Bestrebungen war es, das beste und erfolgreichste Rennpferd zu züchten. Allerdings: die Rennzeiten haben sich in der gleichen Periode so gut wie gar nicht entwickelt, während der Mensch den Marathon um 15% schneller läuft als vor 50 Jahren. Der Hintergrund und zugleich Erklärungsansatz der Wissenschaftler: der Mensch hat den Vorteil, dass er die Zeiten der anderen kennt!

Das klingt fast zu trivial, um wahr zu sein. Und dennoch steckt dahinter die Definition eines klaren Ziels, eine echte Vorgabe – die Pferde eben nicht haben. Weil sie sie nicht kennen und auch nicht mit anderen darüber sprechen können! Pferde haben also ein Kommunikationsdefizit. Kennen Sie als Schwimmer Ihre genauen Ziele? Haben Sie eine Vision oder gar ein Vorbild, dem sie nacheifern? Nicht, dann wird es höchste Zeit, sich in einer ruhigen Minute mit diesem Dingen zu beschäftigen.

Schließlich kann dahinter die Stärke liegen, die keine Leistungsdiagnostik jemals für Sie ermitteln kann. Was für eine Chancen, die sich hinter scheinbar kleinen und unauffälligen Maßnahmen verstecken. Gleichzeitig sind Sie als Trainer aufgefordert, Ihre Schützlinge klar und unmissverständlich anzuleiten, diese Dinge zu reflektieren und im besten Falle auch zu verschriften. Denn auch das weiß man: nur das, was man aufschreibt, wird auch tatsächlich verbindlich!

So entsteht Leistungssteigerung aus dem Notizbuch!

Für die Trainingspraxis

Wenn das klar ist, entsteht die nächste Frage: wie integriere ich diese Aspekte in das Training? Im Kern steht somit die Aufforderung, den Leistungsoutput des Gehirns, oder besser die Freigabe von Ressourcen an den Körper, zu optimieren. Das kann man durch wettkampfähnliche Trainingsformen entwickeln, durch gesteigerte Intervallserien, sogenannte Negative-Split-Aufgaben oder Overdistance-Training. Damit können Sie das Gehirn sukzessive dahin führen, dass die Signale der Belastung und der zunehmenden Erschöpfung noch besser gelernt werden. Daraus resultierend kann Ihre Zentrale noch besser planen und die Ressourcen während des Rennens exakt aufteilen. Denn diese Fähigkeit entwickelt sich nicht mit dem Wettkampf-Tag, sondern sollte ein wesentlicher Baustein Ihrer Trainingsplanung sein. Somit führt das Training zur Erweiterung Ihrer Möglichkeiten und der Ausschöpfung vielleicht bislang nicht voll genutzter Potenziale.

Trainieren Sie deshalb bewusst, informiert und stets mit offenem „Gefühlskanal“. Dann erweitern Sie Ihr zentrales Potenzial, werden in der Leistung stabiler und können Ihren eigenen breakthrough-Moment gezielt herbeiführen. Denn der wirkliche Durchbruch beginnt in Ihrem Gehirn und nirgendwo anders!

(Titelfoto: Michael Lapp / snap-pix.de)