Studie: Hohe Hüfte = schnellere 400 Meter

Die Bedeutung der Hüftposition

Liegt die Hüfte höher im Wasser, steigt dann die Geschwindigkeit?

Die Wasserlage entscheidet über die Höhe des Wasserwiderstands und seines hemmenden Einflusses auf die Schwimmleistung. Je “steiler” ein Körper im Wasser liegt desto höher sind zwangsläufig auch die Widerstandswerte. Deshalb galt schon früher die Maxime, “auf dem Wasser zu schwimmen” statt im Wasser. Damit sollte der Anspruch verdeutlicht werden, wohin das Bestreben gerichtet sein sollte.

Genaue Daten zum Einfluss z.B. hängender Beine oder einer Instabilität im Rumpf sind nur schwer zu finden, weil technisch schwer messbar. Im Strömungskanal auf Teneriffa haben wir Versuche unternommen, diese Aspekte zu einem Praxistest zu unterziehen. Einen Teil dieser Versuche haben wir im Video (siehe hier unten) gezeigt. Ab Minute 2:50 geht es z.B. um die Effekte einer geringen Antriebsfläche bei einer Seitdrehung bzw. übermäßigen Rotation in Seitlage. Hier handelt es sich um eine visuelle Darstellung.

Umso interessanter wird es aber, wenn es Wissenschaftlern gelingt, diese Parameter auch zahlenmäßig zu erfassen. Hier fassen wir eine Studie zusammen, die die Auswirkung einer vergleichsweise tiefer liegenden Hüfte dokumentiert. Die Ergebnisse sind interessant und geben Hinweise auf effektive Trainingsmethoden zur Verbesserung der Schwimmleistng.

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Titel der Studie

Hip depth and performance in 400 m front crawl test

Autoren: Correia, A., Feitosa, W. G., Franken, M., Matos, C. & Castro, F. A. de S.

Erschienen: Japanese Society of Sciences in Swimming and Water Exercise (Hrsg.), XIII th International Symposium on Biomechanics and Medicine in Swimming Proceedings (Biomechanics and Medicine in Swimming, XIII). (S. 36-39). 2018.

Inhalt der Studie

Einer der Faktoren, die Geschwindigkeit und Leistung beim Schwimmen einschränken können, ist die Körperposition im Wasser. In Anbetracht des hydrodynamischen Widerstands wird erwartet, dass die Position der Hüfttiefe (Dh) die Schwimmgeschwindigkeit und -leistung beeinträchtigt, insbesondere beim Kraulschwimmen.

Ziel der Studie

Ziel dieser Studie war es daher, die Dh (Hüfttiefe) bei Schwimmern mit unterschiedlichen Leistungsniveaus während eines maximalen 400-m-Kraulschwimm-Tests (T400) zu beschreiben.

Methode und Ergebnisse

Sechs Wettkampfschwimmer (aufgeteilt in zwei gleiche Gruppen, G1: höhere Leistungsstärke und G2: geringere Leistungsstärke) führten einen Test über 400 Meter (T400) in einem 25-m-Schwimmbad durch.

Die vertikale Position der Hüfte (Landmarken wurden manuell digitalisiert) in Bezug auf die Wasseroberfläche wurde mittels 3D-Kinematik analysiert. Der Null-Hüftrollwinkel wurde kontrolliert (horizontale Rollposition, Hüfte parallel zur Wasseroberfläche) und Dh wurde in dieser Körperposition identifiziert.

Die durchschnittlichen Dh-Werte wurden berechnet. Die Leistung des T400 und seine durchschnittliche Schwimmgeschwindigkeit wurden ebenfalls erhalten. Die Leistung in den Leistungsgruppen T400, Geschwindigkeit und Dh in den Leistungsgruppen G1 und G2 betrug

275,67 ± 3,79 s (G1) bzw. 339,67 ± 28,28 s (G2); 1,44 ± 0,02 m / s (G1) und 1,18 ± 0,08 m / s (G2); und

Hüfttiefe (Dh) 15,7 ± 1,2 cm (G1) und 19,0 ± 0 cm (G2).

G1 hatte eine um 23 ± 12% bessere Leistung als G2 und war 22 ± 9% schneller als G2.

Die Hüfttiefe Dh war in G2 22 ± 9% tiefer.

Fazit der Autoren

Dies ist ein objektives Ergebnis in Bezug auf die beste Schwimmtechnik, den besten Widerstand und die daraus resultierende Leistung beim Kraulschwimmen.

Unsere Anmerkung

Möchte sich ein Körper oder Gegenstand nach vorne bewegen, hat er es immer mit Widerständen zu tun. Ob es nun der mächtige Wasserwiderstand oder der Luftwiderstand ist – fest steht, dass jede unnötige und übermäßige Veränderung der Position zu einer Erhöhung des Widerstands führt. Noch stärker steigen die Widerstandswerte dann, wenn sich der Körper von einer Position in eine andere bewegt (z.B. durch Rotation). In der Theorie wird deshalb der Körper die besten Widerstandswerte erzeugen, der sich in einer strömungsgünstigen und vor allem konstanten Position befindet. Hinsichtlich der Wasserlage gilt es also auch hier, übermäßige Dreh- und Rollbewegungen in Einklang mit der Vortriebsbewegung der Arme (als Hebel) zu bringen. Ein wesentlicher Leistungsbegrenzer kann in diesem Zusammenhang die fehlende Rumpfkraft sein, die für die Stabilisierung der Wasserlage zuständig ist. Ein weiterer, oft etwas unbeachteter Punkt, ist die Fähigkeit der Beweglichkeit. Um diesen Aspekt nochmals anzuführen, zeigen wir hier nochmals das Video zu Tipp #38 – einfach auf das Motiv klicken und schon startet der Clip.

Das Video mit Übungen im Strömungskanal

Ab Minute 2:50 für alle, die nur mal schnell reinsehen möchten.