Studie: Unterschiede in Muskelaktivität mit und ohne Schulterschmerzen

Schulterbeschwerden und veränderte Muskelaktivität

Sind Ausgleichsbewegungen zu erkennen?

Die Belastung des Schultergelenks und seiner umgebenden Strukturen ist beim Schwimmen naturgemäß sehr hoch. Schließlich hat dieses Gelenk die Funktion zu erfüllen, die Kraft aus den Muskeln (z.B. des Latissimus´ in der Zugphase) über den Armhebel auf das Wasser zu transferieren. Zudem hat das Schultergelenk die größte Bewegungsfreiheit aller Muskeln! Der Grund ist schnell erklärt: die kleine Gelenkfläche gibt dem Gelenk tendenziell wenig Halt aber eben auch viel Spielraum.

Es ist wie im Leben: Freiheit und Sicherheit gibt es selten in selber Menge zusammen. So würde der Arm z.B. ohne muskulären Halt sowie der Bänder und Sehnen einfach aus dem Gelenk herausfallen. Keine schöne Situation, doch stellt sie das Problem gut dar. Für Schwimmsportler und Triathleten ist es deshalb wichtig, die schützenden Strukturen zu kräftigen. Einerseits um die Kraftentfaltung zu verbessern, andererseits um die Anfälligkeit für Verletzungen zu reduzieren.

So betrachtet besitzt das spezifische Training auch sehr viel Potenzial, um die Leistung im Wasser zu verbessern. Bevor wir in eine aktuelle Studie einsteigen, soll das Video zu Tipp 5 noch einmal helfen, die Zusammenhänge zu verdeutlichen. Mit einem Klick auf das Motiv startet das Video.

Weitere Trainingstipps finden sich hier:

Trainingsplan 106 „Effektive Übungen für das Schultergelenk“ > KLICK

 

Titel der Studie

Electromyographic analysis in elite swimmers with shoulder pain during a functional task

Autoren: Sabzehparvar, E., Khaiyat, O.A., Namin, B. G. & Minoonejad, H.

Erschienen in: Sports Biomechanics, 20 (5), 639-649. 2021

Inhalt der Studie

Ziel der Studie war es, die elektromyographische Aktivität ausgewählter Schultergürtelmuskeln bei Spitzenschwimmern mit und ohne Schulterschmerzen zu bestimmen und zu vergleichen.

Methodik

Zwölf professionelle Schwimmer mit Schulterschmerzen (Durchschnittsalter: 18,55 ± 3,16 Jahre, Körpermasse: 74,33 ± 2,91 kg und Größe: 179,00 ± 5,29 cm) und 12 Schwimmer ohne Schmerzen (Durchschnittsalter: 18,11 ± 1,61 Jahre, Körpergewicht: 73,33 ± 6,06 .) kg, Größe: 178,33 ± 5,07 cm) wurden rekrutiert.

Oberflächenelektromyographiesignale wurden während einer Trainingsbeanspruchung von sieben Muskeln der oberen Extremitäten gesammelt. Die Teilnehmer wurden angewiesen, Punkte mit einem Stift innerhalb jedes der drei Kreise gegen den Uhrzeigersinn zu markieren. Zur Bestimmung der Muskelaktivierung wurde der normalisierte quadratische Mittelwert verwendet.

Ergebnisse

Schwimmer mit Schulterschmerzen zeigten eine stärkere Aktivierung des oberen Trapezius (Mittelwert der Schmerzgruppe: 28,04 ± 10,37, Mittelwert der Kontrollgruppe: 13,40 ± 06,04; p = 0,002, N2p: 0,455),

des vorderen Serratus (Mittelwert der Schmerzgruppe: 30,78 ± 20,09, Kontrollgruppe .) Mittelwert: 13,30 ± 5,52; p = 0,023, N2p: 0,283) und

Latissimus dorsi (Mittelwert der Schmerzgruppe: 27,05 ± 17,87, Mittelwert der Kontrollgruppe: 4,99 ± 3,90; p = 0,002, N2p: 0,450) Muskeln.

Es gab keinen Unterschied (p > 0,05) in der Aktivierung des mittleren und unteren Trapezius, mittleren Deltamuskels und Sternocleidomastoideus.

Foto rechts zur Veranschaulichung der Anatomie, Quelle: ehealthstar > Klick

Fazit der Autoren

Die veränderten Muskelaktivierungsmuster können bei Spitzenschwimmern zu Schulterschmerzen beitragen und müssen bei den Rehabilitationsmaßnahmen berücksichtigt werden.