Schneller Schwimmen #36: SCHULTER-OPERATION und 100 TAGE DANACH

SWIMMER´S WORST CASE: Schulter-Operation

Erfahrungsbericht: Therapie und die ersten 100 Tage danach

Eine Schulter-Operation ist für einen Schwimmer sicherlich eine der schlimmsten Dinge, das Skelett betreffend. Schließlich ist das Schultergelenk wortwörtlich Dreh- und Angelpunkt der Vortriebsaktionen im Wasser. Ein defektes Schultergelenk ist deshalb gleichbedeutend mit dem (schwimmerischen) Aus, im besten Falle aber eben nur temporär. Denn: der Tag nach der Operation ist zugleich der erste Tag des Comebacks!

Wenig Zeit zum Lesen? Viele weitere Informationen und Erfahrungen im Video.

Hier geht es zum Video – klick auf das Motiv und schon startet der Clip:

Ich habe das nun selber erfahren müssen, als ich mit dem Fahrrad stürzte und mir eine multiple Glenoid-Fraktur zugezogen habe. Die ausgekugelte (luxierte) Schulter war ebenfalls eine sehr schmerzhafte Erfahrung, die ich nicht noch einmal machen möchte. So gehöre ich nun auch zum Club der Schultergeschädigten. Damit die Erfahrung nun auch für etwas Nützliches verwendet werden kann, schreibe ich diesen Beitrag.

Es gab einige Dinge, die ich neu erfahren durfte und die ich so nicht vorausgesehen hatte. Und da man als Patient im Großen und Ganzen ja doch die meiste Zeit auf sich allein gestellt ist, hilft jeder einzelne Erfahrungsbericht, um Informationen zu sammeln.

Das vielleicht wichtigstes Fazit:

Der Organismus benötigt an die 70 Tage (10 Wochen!), um die Strapazen einer Operation zu kompensieren!

Aus dieser eigenen (Unfall-)Erfahrung weiß ich nun, dass vor allem die Recherche nicht sonderlich befriedigend ist in Bezug auf die Dauer der Reha und dessen, was man tun & erwarten darf. Das hätte ich mir besser gewünscht, weshalb ich die Gelegenheit nutze, von meinem Unfall, der OP und der 100 Tage nach der Operation zu berichten. Wenn es jemandem hilft, der betroffen ist, hat dieser Bericht seinen Zweck schon erfüllt. Für alle anderen hat er hoffentlich auch einige interessante Dinge parat.

Schließlich ist der Verlauf im Anschluss an eine Schulter-Operation relativ ähnlich, ganz gleich ob es sich um eine Intervention wegen einer gerissenen Sehne oder einer Arthrose handelt. Mit diesem Beitrag möchte ich vor allem denjenigen ein wenig Zutrauen geben, dass der Wiederherstellungsprozess zwar lang und mühsam ist, aber auch voller aktiv gestalteter Zwischenschritte verlaufen kann.

Die Heilung spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab. Deshalb gilt: Geduld haben!

So geht es auch um die Belastung des Organismus durch eine Operation. Ich habe die Zeit danach genau erfasst und mit dem OURA Ring interessante Daten gewonnen. So stieg meine Ruhe-Herzfrequenz in der Nacht von normal deutlich unter 40 Schlägen/Minute auf an die 50, also eine Steigerung von 25-30%. Auch meine Herzfrequenz-Variabilität (HRV) fiel in den 70 Tagen nach der OP von normalerweise an die 100ms auf unter 50ms. Eine Veränderung um 50%! Dies zeigt die enorme Belastung, in Form geminderter Erholungs- und Leistungsfähigkeit, die eine Operation und der anschließende Heilungsprozess auf den Organismus hat und weshalb Schonung keine Worthülse ist, sondern ganz besonders in den ersten Wochen enorm wichtig ist. Hier die Übersicht meiner Daten:

Dies sind meine Stationen der Reha in den 100 Tagen Post-OP:

Woche 1-6 – Fixierung des Arms und des Schultergelenks Tag und Nacht. Ab Tag 10: Tägliche Spaziergänge zur Aktivierung des Kreislaufs. Mein Ziel: jeden Tag zwischen 4 und 10 Kilometer Gehen. Ergebnis nach 4 Wochen: 120 Kilometer.

Woche 7-8 – Erste moderate Mobilisations- und Schwingübungen und behutsame Aufnahme des Lauf-Trainings. Mit dem Theraband und leichten Hanteln die ersten dosierten Kräftigungsübungen. Übergang vom Gehen zum Laufen. Gesamtumfang Woche 5-8: 165 Kilometer.

Woche 9-10 – Verstärkte Kräftigung der Innen-/Außenrotatoren. Aufnahme von Schwungbvewegungen, Theraandübungen und leichte Erhöhung der Gewichte. Erhöhung der Laufumfänge: 40 Kilometer / Woche.

Woche 11-13 – Seilzug-Training (siehe Video und Foto rechts!), Beweglichkeitsübungen in allen Richtungen. Forcierung des Lauf-Trainings. Laufumfang in den Wochen 8 bis 12: 241 Kilometer.

Fazit nach 100 Tagen: Es wäre durchaus möglich, vorsichtig Schwimmen zu gehen. Jedoch muss klar sein, dass das Risiko höher ist als der mögliche Ertrag. Ich setze darauf, die Muskulatur wieder auf das alte Niveau zu bringen und die Beweglichkeit zu 100% wiederherzustellen bevor es ins Wasser geht. Realistisch gehe ich davon aus, zwischen dem 120. und 130. Tage wieder ins leichte Schwimmtraining einzusteigen. Und die Laufleistung ist weiterhin nicht auf dem Niveau von vor der Operation. Geduld ist weiter angesagt.

Solltest du eine ähnliche Operation hinter/vor dir haben, wünsche ich dir alles Gute und eine planmäßige Heilung! 

Es handelt sich bei diesen Angaben um keine medizinische Beratung. Im Zweifel, bzw. im konkreten Fall, bitten wir einen Arzt und Physiotherapeuten aufzusuchen, der den Behandlungsplan individuell konzipiert.