Die optimale Zugfrequenz für das beste Rennen

Wie schnell und wie oft sollte man ziehen?

Gibt es pauschale Regeln? Teil 1/2

Schwimmen ist sehr individuell. Besonders deutlich wird das, wenn man sich auf die Suche nach der optimalen Bewegungsfrequenz begibt. Denn sie ist abhängig von vielen Faktoren.

Frequenzsuche im Schwimmsport ist echte Handarbeit

Einige der Leser können sich wahrscheinlich daran erinnern wie das früher war, wenn man nach dem besten Sender gesucht hat. Da wurde das Rädchen am Radio gedreht, bis die Frequenz endlich gefunden war. Das was mittlerweile per Sendersuchlauf automatisch und optimiert funktioniert, ist im Schwimmsport noch immer mit viel Handarbeit verbunden – für Sportler und Trainer. Die zentrale Fragestellung: wo liegt die individuell optimale Bewegungsfrequenz und wie findet man sie?

Gemessen wird die Frequenz, oder auch Schlagzahl genannt, in Zyklen pro Minute. Viele Trainer besitzen zur Bestimmung eine Stoppuhr mit integrierter Messfunktion der Bewegung auf der Basis von drei Bewegungszyklen. Das bedeutet, man stoppt drei Zyklen und die Uhr rechnet den Wert auf Zyklen pro Minute hoch. Somit ist der Wert vergleichbar und deutlich aussagekräftiger als das Abzählen der Züge pro Bahn.

Frequenzwerte geben einen objektiven Wert wieder

Bei den Wechselschlagschwimmarten Kraul- und Rückenschwimmen entspricht ein Zyklus dem kompletten Zug des rechten und des linken Arms. Für die genannte Messfunktion mit einer speziellen Uhr stoppt man somit in der Summe je drei Züge pro Seite. Folgerichtig handelt es sich bei den Gleichschlagschwimmarten Brust- und Schmetterlingsschwimmen um drei komplette Züge, die bestimmt werden. Doch warum ist es nun so bedeutend, die Schlagzahl zu bestimmen?

Der Wert allein erlaubt zunächst einen Vergleich zwischen den Sportlern. Das gibt einen ersten Anhaltspunkt. Je häufiger dieser Wert für einen einzelnen Sportler in Training und Wettkampf bestimmt wird, umso umfangreicher wird jedoch die individuelle Datenmenge. Folge: umso genauer kann festgelegt werden, in welchem Frequenzbereich die optimale Leistung möglich ist. Wie wichtig diese Bestimmung ist, zeigt ein Beispiel.

Gradmesser – wer zu langsam zieht kann nicht schnell schwimmen

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Gerade bei den Seiteneinsteigern ist das lange Gleiten beim Kraulschwimmen sehr häufig zu beobachten. Hintergrund ist die Suche nach einem möglichst energieschonenden Schwimmstil mit möglichst wenigen Zügen. Sieht man sich den intrazyklischen Geschwindigkeitsverlauf bei einer Frequenz von deutlich unter 30 Zyklen pro Minute beim Kraulschwimmen an, so muss festgestellt werden, dass in den Zugpausen, die unweigerlich entstehen wenn ein einzelner Zug länger als eine Sekunde benötigt, ein Tempoverlust zu beobachten ist. Hintergrund ist der massive Wasserwiderstand, welcher, in einem Moment ohne aktiven Vortrieb, umgehend einen Tempoabfall herbeiführt. Ein Ziel muss es deshalb sein, eine weitgehend gleichmäßige Tempolinie zu erzeugen, um diesen Abfall, der seinerseits ja wiederum eine erneute Beschleunigung erfordert, zu neutralisieren.

Der Index of Coordination

Der Wissenschaftler Didier Chollet hat dieses Phänomen der Vortriebspause 2003 mit dem Index of Coordination (IdC) beschrieben. So kann man beispielsweise dem Kraul-Abschlagschwimmen aufgrund der langen Zugpause einen negativen IdC zuteilen, während im Sportschwimmen ein neutraler Index anzustreben ist. In der Praxis soll das Ziel sein, mit Beendigung des Zuges auf der einen Seite umgehend mit dem anderen Zugarm für eine Beschleunigung zu sorgen. Im Sprintbereich ist sogar ein überlappendes Zugmuster zu beobachten, welches Chollet als positiven Index of Coordination bezeichnet. Der intrazyklische Tempoverlauf korreliert somit mit der Zugfrequenz, eine gute und stabile Technik natürlich vorausgesetzt.

Das von dem französischen Professor entwickelte Modell kann allerdings bei den Gleichschlagschwimmarten so nicht funktionieren. Schließlich entsteht durch das beidseitige Ziehen in der Unterwasserphase und Vorführen der Arme immer eine Unregelmäßigkeit in der Beschleunigungskurve. Beim Brustschwimmen wegen der komplizierten Koordination von Beinschlag und Armzug sogar noch deutlich mehr als beim Schmetterlingsschwimmen.

Im zweiten Teil blicken wir in die Frequenz-Werte der Olympiasieger > KLICK