Wissenschaft

Studie: Unterschiede in der Schulter- und Hüftrotation

Ist die Rotation eine Aktion oder eher eine Reaktion?

Muss das Landtraining spezifischer werden?

Schwimmen findet in der quasi Schwerelosigkeit statt. Das ist auf der einen Seite ein enorm erleichternder Effekt (z.B. kein Impact auf den Bewegungsapparat wie beim Laufen), auf der anderen Seite jedoch auch mit vielen Schwierigkeiten behaftet (z.B. keine Möglichkeit, sich an festen Gegenständen festzuhalten oder direkter Kontakt mit dem Boden bzw. Geräten o.ä.).

In der Analyse der Bewegung ist es deshalb unbedingt notwendig, diese Spezifik in die Bewegungsanalyse einzubeziehen. Tut man das nicht, kann dies zu Fehleinschätzungen führen. Wichtig ist vor allem zu berücksichtigen, dass wir im Wasser keine Möglichkeit haben, eine Bewegung zu stoppen oder abbremsen zu können. Anders als beim Laufen, wo wir mit jedem Abdruck spüren, welche Wirkung erzeugt wird (Fortbewegung horizontal oder vertikal), verschwimmen diese Eindrücke im Wasser im wahrsten Sinne des Wortes.

Schwimmen bedeutet: ständiges Ausbalancieren

Alles, was wir im Wasser machen, um uns schnellstmöglich fortzubewegen, ist eine ständige Abfolge von Aktionen, die uns in der Schwerelosigkeit ausbalancieren.

Genau deshalb kommt es nicht zu selten zu Fehlinterpretationen hinsichtlich der Körperbewegung in der Längsachse, auch gerne als Rotation bezeichnet (betrifft ausschließlich das Kraulschwimmen). Denn diese Bewegung ist tendenziell eine Reaktion, weniger eine Aktion. In vielen Fällen initiiert durch den Atemvorgang, kommt es zu einer Verdrehung in der Längsachse, ausgelöst durch die Kopfdrehung.

Widerstände optimieren, denn Wasser ist 800-mal dichter als Luft 

Prinzipiell bewegt sich ein Körper vor allem dann widerstandsarm nach vorne, wenn er möglichst wenig rotiert. Daraus schlussfolgernd wird deutlich, weshalb 50-Meter-KraulsprinterInnen ihre Strecke ohne Atmung zurücklegen. Nicht, weil es die Dauer der Strecke von ihnen nicht verlangt, sondern vielmehr weil diese Technik ein höheres Tempo ermöglicht. Schau in Tipp 181 > KLICK, in dem wir dieses Thema aufbereitet haben.

Um den Oberkörper nun möglichst ruhig zu halten, braucht es

a) eine sehr hohe Stabilität im Rumpfbereich und

b) eine überdurchschnittliche Beweglichkeit im Schulterbereich (siehe auch Tipp 38 > KLICK)

um diesem Ziel möglichst nahe zu kommen.

Die folgenden Studie verdeutlicht diese Zusammenhänge und zeigt auf, dass die auf längeren Strecken zunehmende Rotationsbewegung um die Längsachse vielmehr ein Kompromiss eines zunehmenden Energiemangels ist, denn eine tempofördernde Maßnahme. Daraus schließen die Autoren auf eine zunehmende Spezifik des Landtrainings, um die Wasserposition besser und länger stabil halten zu können.

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Titel der Studie

Kinematische Unterschiede in Schulter- und Hüftrotation bei unterschiedlichen Kraulschwimm-Geschwindigkeiten bei Schwimmern auf nationalem Niveau.

Autoren: Andersen, JT, Sinclair, PJ, McCabe, CB und Sanders, RH.

Erschienen in: Journal Strength Cond Res 34(1): 20-25, 2020

Inhalt der Studie

Trockentraining ist ein gängiger Bestandteil von Schwimmprogrammen; seine Wirksamkeit ist jedoch umstritten.

Ein häufiger Kritikpunkt am Trockentraining für Schwimmer ist die mangelnde Spezifität. Das Verständnis von Bewegungsmustern beim Schwimmen ermöglicht die Entwicklung von Trockentrainingsprogrammen, die Anpassungen hervorrufen, welche sich positiv auf die Schwimmleistung auswirken.

Ziel der Studie

Ziel dieser Studie war die Quantifizierung von Umfang und Geschwindigkeit der Hüft- und Schulterrotation sowie der Rumpfdrehung (bedingt durch Unterschiede im relativen Winkel zwischen Schulter- und Hüftrotation) beim Kraulen bei verschiedenen Schwimmgeschwindigkeiten.

Methodik & Ergebnisse

Die longitudinale Rumpfkinematik wurde beim Sprint- und 400-m-Kraulen anhand von 3D-Kinematikdaten von 13 schottischen Elite-Kraulspezialisten verglichen. Der Umfang (Sprint: 78,1°; 400 m: 61,3°) und die Geschwindigkeit der Rumpfdrehung (Sprint: 166,3°·s; 400 m: 96,9°·s) waren beim Sprint größer als beim 400-m-Tempo.

Diese Unterschiede wurden auf eine Verringerung der Hüftrotation (Sprint: 36,8°; 400 m: 49,9°) ohne entsprechende Verringerung der Schulterrotation (Sprint: 97,7°; 400 m: 101,6°) bei schnellerem Schwimmen zurückgeführt.

Die Geschwindigkeit der Schulterrotation (Sprint: 190,9°/s; 400 m: 139,2°/s) und der Hüftrotation (Sprint: 75,5°/s; 400 m: 69,1°/s) war im Sprinttempo höher als im 400-m-Tempo, bedingt durch die höhere Schlagfrequenz im Sprinttempo (Sprint: 0,95 Schläge/s; 400 m: 0,70 Schläge/s).

Fazit der Autoren

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Drehmomente, die auf die Rotation des Ober- und Unterkörpers wirken, im Sprinttempo größer sind als im 400-m-Tempo. Die Spezifität des Krafttrainings an Land kann verbessert werden, indem Übungen entwickelt werden, die die Rumpfmuskulatur herausfordern, die Drehmomente zu reproduzieren, die zur Erzeugung der Längskinematik beim Kraulen erforderlich sind.

Unser Tipp zum Thema: Countermovement

Weshalb man im Wasser so wenig Kraft erzeugt

Hast du dir auch schon einmal Gedanken darüber gemacht, weshalb du im Wasser so wenig Kraft erzeugen kannst? Oder nehmen wir ein anderes Beispiel (siehe dazu auch das Video): weshalb kann man einen Tennisball aus dem Wasser heraus deutlich weniger weit werfen, als wenn man das Ganze an Land macht? Der Grund ist eigentlich ganz einfach zu finden … weiter geht es im Artikel > KLICK

Oder gleich hier in das Video zum Tipp. Klick auf das Motiv und schon startet das Video.

 

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