WISSENSCHAFT: Macht Kaffee schnell?

Ausdauersport und Kaffeegenuss sind zwei Begriffe, die zusammengehören. Zumindest lassen das die vielen Expertengespräche rund um die dunkle Bohne während der Wettkämpfe und der Trainingslager vermuten. Kaffee ist Kult! Doch spielt neben dem puren Genuss am koffeinhaltigen Getränk auch immer die Frage nach einer möglichen Leistungssteigerung eine Rolle. Verleiht Koffein also Flügel?

Prominenter Doping-Fall

Im Jahr 2000 gelangt die leistungsbeeinflussende Wirkung von Koffein in die Schlagzeilen, als der spanische Radprofi Oscar Seville des Koffein-Dopings überführt wurde (Klick). Der ermittelte Wert entsprach dem Konsum von zwei Dosen Energydrink. Eigentlich nicht der Rede wert meinten Beobachter und Experten. Darf ein frei verfügbares Genuss- und Nahrungsmittel tatsächlich auf der Dopingliste stehen? Es bestand Handlungsbedarf.

Früher verboten

Es wurde gehandelt. Bis 2004 stand der Wirkstoff Koffein wegen der doch recht unsicheren Studienlage auf der Liste der verbotenen Substanzen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Doch die verschiedenen Ergebnisse von Studien zur Leistungssteigerung durch die Anregung des Stoffwechsels, der Verbesserung der Konzentration oder sogar der beschleunigten Fettverbrennung genügten nicht, um eine illegale und vor allem übermäßige Leistungssteigerung der Athleten deutlich zu belegen.

Aber dennoch hat jeder Sportler seine eigenen Erfahrungen und Rituale, wenn es um die Dosierung, die Zubereitung und die Abfolge der Getränkeeinnahme geht. Um die ehemals gültige Koffein-Schwelle von 12 µg/ml Blut zu erreichen, hätte man ohnehin literweise Kaffee trinken müssen. Denn keine Frage: neben möglichen physischen Aspekten spielt die Psyche eine große Rolle in dieser Fragestellung.

Natürliche Stimulanz

Koffein stimuliert schließlich erfolgreich das zentrale Nervensystem (ZNS). Das Versprechen, ein Espresso würde wach machen, die Konzentration und Aufmerksamkeit fördern, kann als belegt bezeichnet werden. Studien belegen u.a. zudem eine Weitung der Blutgefäße und ein erhöhtes Atemminuten-Volumen. Das dunkle Getränk scheint also wie geschaffen, um eine Ausdauerleistung positiv zu beeinflussen. Doch allein die Höhe der Dosis ist kein Garant für eine Bestleistung. Die Formel „je mehr desto schneller“ gilt nicht. Das Maximum der leistungsstimulierenden Wirkung scheint bei ca. 300mg erreicht.

Die europäische Behörde für  Lebensmittelsicherheit (EFSA) fand heraus, dass bereits 1 bis 13 mg Koffein pro kg Körpergewicht zu einer Verbesserung der Ausdauerleistung führen kann. Bei einer Einnahme von 3 mg entspricht das einer Tagesmenge von zwei bis drei Tassen Koffein. Dies sei nach Studienlage die optimal verträgliche und dabei wirksamste Menge, so die Wissenschaftler. Mehr muss es also nicht sein – und der Magen-Darm-Trakt spielt in diesem Zusammenhang natürlich ebenfalls eine evtl. limitierende Rolle. Deshalb ist es angeraten, die Dosierungen im Training auf individuelle Verträglichkeit zu testen.

Turbo für den Ausdauersportler?

Eine Wirkung ist unbestritten.Schwimmer, Radfahrer, Läufer und Triathleten sind nicht ohne Grund der gemahlenen Bohne verfallen. Wissenschaftliche Untersuchungen bestärken die Sportler darin, das tägliche Ritual an der Kaffeemaschine gewissermaßen auch als einen Teil des Trainings und Wettkampfs zu betrachten. In der USA wurde 2009 eine Review-Studie veröffentlicht, die Ergebnisse von 33 Untersuchungen zusammenfasste. Ergebnis: in moderaten Mengen (d.h. 3-6mg pro kg Körpergewicht) konsumiert, kann der Sportler von einer Leistungssteigerung ausgehen. Wie hoch diese ausfällt, konnte jedoch nicht exakt beziffert werden.

Der Zeitraum der optimalen Einnahme, z.B. vor einem Wettkampfstart, variiert dabei von 20 bis 60 Minuten.

Fazit: genießen Sie Ihren Espresso, Kaffee oder Latte Macchiato weiterhin – aber in sportlichen Dosen. Für diejenigen, die mit dem Geschmack des Kaffees keine angenehmen Gefühle verbinden sei mitgeteilt, dass es keine Rolle spielt, ob Koffein über Heißgetränke, Tabletten oder Energydrinks zugeführt wird.

Einzig bleibt die Frage, die nach wie vor im Raume steht: wo beginnt die künstliche Leistungssteigerung? Eine Frage, die auch die WADA in Bezug auf die Wirkung des Koffeins nach wie vor diskutiert. Eine offene Frage.


Für weitere Informationen empfehlen wir die Website www.kaffee-wirkungen.de (Klick) des Deutschen Kaffeeverbands.

von Holger Lüning

 

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