Studie: Schulterrotation korreliert negativ mit Schwimmgeschwindigkeit
Körperdrehung beim Kraulschwimmen nachteilig?
Wie bedeutsam ist der Effekt der Längsachsenbewegungen?
Shoulderdriven– oder Hipdriven-Freestyle-Swimming – interessante Begrifflichkeiten aus dem amerikanischen Raum, die beschreiben sollen, wie eine Bewegung in den genannten Segmenten offenbar zu einer verbesserten Schwimmleistung führen kann. Natürlich ist das Schwimmen schon aufgrund seiner Charakteristik – der quasi Schwerelosigkeit – ein schwieriges Unterfangen. Denn ohne Verankerung oder Fixierung, wie das bei anderen Sportarten der Fall ist, besitzen wir die Freiheit, uns in allen Dimensionen bewegen zu können.
Doch genau diese Freiheit kann auch die enorme Schwierigkeit darstellen, das System Körper zu kontrollieren. So erzeugt jede Bewegung unmittelbar eine Reaktion (das Prinzip actio-reactio). Doch ist es fast unmöglich, während eines einzelnen Schwimmzuges zu erkennen, ob nun alles so abläuft, wie es geplant war. Das Feedback des Wassers ist dafür leider viel zu diffus und unklar.
Rollen oder rotieren beim Kraulschwimmen?
Deshalb ist jede wissenschaftliche Untersuchung, die sich mit der Körperposition auseinandersetzt, wichtig und interessant. Vor allem deshalb, da es unterschiedliche und recht populäre Ansätze gibt, von denen nicht alle wissenschaftlich fundiert belegt sind. Eine Unterscheidung ist demzufolge hilfreich.
Im Fazit dieser Studie ist zu lesen, dass schnelle Schwimmer ihre Schulter weniger rollen als langsame. Interessant. In Tipp 181 > KLICK haben wir uns mit der Technik von Kraulsprintern beschäftigt. Dort gibt es aufschlussreiche Unterwasseraufnahmen zu sehen, die mit dem Fazit dieser Studie durchaus übereinstimmen.
So erkennen die beiden Forscher eine negative Korrelation zwischen starker Schulterrotation und der Schwimmgeschwindigkeit!
Schwimmgeschwindigkeit korreliert negativ mit der Schultergürtel-Rotation
Die Schulterrotation (SR) korrelierte in jedem SC negativ und signifikant mit V (-0,663 ≤ r ≤ -0,634, 0,037 ≤ p ≤ 0,049)
Dieser Satz aus der Studie (siehe unten) beschreibt ein klassisches Ergebnis einer statistischen Korrelationsanalyse. Um ihn besser greifbar und verständlicher zu machen, fassen wir die Bedeutung der Werte und die daraus resultierende Interpretation vorab zusammen.

Wie sind statistische Werte zu interpretieren?
- Negativer Zusammenhang (r ist negativ): Es besteht eine Gegenläufigkeit. In diesem Kontext bedeutet das: Je höher (oder ausgeprägter) die Schulterrotation ist, desto geringer ist die Geschwindigkeit) – oder umgekehrt.
- Stärke des Zusammenhangs (r = -0,65): Ein Wert zwischen und gilt in den Sport- oder Sozialwissenschaften als starker Zusammenhang. Die beiden Variablen hängen also eng miteinander zusammen.
- Signifikanz (p > o,05): Da alle p-Werte unter der kritischen Marke von liegen, ist das Ergebnis statistisch signifikant. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass dieser Zusammenhang nur durch Zufall in der Stichprobe entstanden ist.Das bedeutet in dieser Studie: Je größer der Rotationswinkel der Schulter war, desto langsamer schwammen die Athleten (r = -0,65)). Interpretation: In der Praxis legt dies nahe, dass eine zu starke Rollbewegung des Oberkörpers die hydrodynamische Stabilität stören oder die Hebelwirkung des Armzugs ineffizienter machen könnte.
Weniger ist manchmal mehr: Die Daten zeigen eine deutliche negative Korrelation zwischen Schulterrotation und Tempo. Eine über das Optimum hinausgehende Rotation scheint die Schwimmgeschwindigkeit nicht zu fördern, sondern steht vielmehr in direktem Zusammenhang mit einem Leistungsabfall.
Die Analyse ergab für alle untersuchten Schwimmzyklen (SC) einen signifikanten negativen Zusammenhang zwischen der Schulterrotation und der Schwimmgeschwindigkeit. Dies deutet darauf hin, dass eine übermäßige Rotation des Schultergürtels systematisch mit einer geringeren Fortbewegungsgeschwindigkeit korreliert.
Eine interessante Feststellung der vorliegenden Studie. Fassen wir die Ergebnisse nun zusammen.
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Titel der Studie
Shoulder and hip roll changes during 200-m front crawl swimming
Schulter- und Hüftrotation während eines 200-Meter-Freistilschwimmens
Autoren: Stelios Psycharakis, Ross H. Handers
Erschienen in: Med Science Sports Exerc., 2008 Dec;40(12):2129-36.
Inhalt der Studie
Ziel ist, die Stärke und die Veränderungen der Schulter- (SR) und Hüftrotation (HR) während eines 200-m-Kraulschwimmens mit maximaler Geschwindigkeit präzise zu bestimmen und zu untersuchen, ob SR und HR mit der Schwimmgeschwindigkeit (V) korrelieren. Bilaterale Rollasymmetrien und zeitliche Unterschiede zwischen SR und HR wurden ebenfalls analysiert.
Methoden:
Zehn männliche Schwimmer auf nationalem/internationalem Niveau absolvierten ein 200-m-Kraulschwimmen mit maximaler Geschwindigkeit. Die Leistung wurde mit vier Unterwasser- und zwei Überwasser-Synchronkameras aufgezeichnet und vier Schwimmzyklen ohne Atmung (SC – jeweils einer pro 50 m) analysiert. SR und HR wurden separat berechnet.
Ergebnisse:
Die Schwimmer rollten ihre Schultern signifikant stärker als ihre Hüften (p < 0,001).
Das Atemminutenvolumen (V) nahm im Allgemeinen während des Tests ab, und die Herzfrequenz (HF) war in SC4 signifikant höher als in SC1 (p = 0,001).
Die Schulterrotation (SR) korrelierte in jedem SC (Schwimmzyklus) negativ und signifikant mit V (-0,663 ≤ r ≤ -0,634, 0,037 ≤ p ≤ 0,049), mit Ausnahme von SC4.
Obwohl verschiedene Rollmuster auftraten, zeigte sich eine Dominanz der linken Schulterrotation, wobei die Schwimmer ihre Schultern signifikant stärker nach links als nach rechts rollten (0,000 ≤ p ≤ 0,022). Trotz individueller Unterschiede im Zeitpunkt der maximalen Schulterrotation und Herzfrequenz zur linken und rechten Seite ließ sich kein einheitliches Muster für die Gruppe feststellen.
Schlussfolgerung:
Für die Untersuchung ihres Einflusses auf das Kraulschwimmen sind separate Berechnungen von Zugfrequenz (SR) und Herzfrequenz (HF) erforderlich. Schnellere Schwimmer neigten dazu, ihre Schultern weniger zu rollen als langsamere. Der Anstieg der HF im Verlauf des Tests steht möglicherweise im Zusammenhang mit einer Abnahme der Zugfrequenz und einer Zunahme der SC-Dauer.
Da alle Schwimmer Rechtshänder waren und die SR links signifikant größer war als rechts, scheinen Händigkeitsfaktoren die SR-Symmetrie beim Schwimmen zu beeinflussen.
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