Wissenschaft

Studie: Sprinter rotieren weniger als Langstreckenschwimmer

 

Stabilität als Leistungsfaktor

Die Analyse von Aktion und Reaktion

Es ist nicht das erste Mal, dass das Thema „Rotation“ wissenschaftlich aufgearbeitet wird. In der vorliegenden Studie wollen wir deshalb auch der Frage nachgehen, ob die Wissenschaft womöglich den richtigen Einstieg in das Thema noch gar nicht gefunden hat.

Beginnt man eine Analyse mit einer Beobachtung und schließt daraus auf Regeln, kann das ungenügend sein. Deshalb haben sich in der Biomechanik zwei wesentliche Bereiche gebildet, die eine solide Basis für eine Bewegungsanalyse vorgeben.

  1. Kinetik: die Analyse der wirkenden Kräfte
  2. Kinematik: die Analyse von Bewegungsmustern

Begriffe zu unklar für eine eindeutige Analyse?

Werden diese Bereiche in der Beurteilung einer Bewegung nicht berücksichtigt, steigt die Fehlerquote. So wird noch immer die Begrifflichkeit der Rotation auf die Drehung des Körpers (Kraulschwimmen) im Hüft- und Schulterbereich bezogen. Hier liegt der erste Mangel vor. Der zweite Mangel ist die Übertragung einer Beobachtung in eine Regel. Wird diese Regel dann noch durch Übungsleiter, Trainer und Lehrer multipliziert, können Missverständnisse entstehen.

So fällt in dieser Studie auf, dass die Autoren statt von Rotation von einer Rollbewegung reden. Ein wesentlicher semantischer Unterschied in der Bedeutung der Begriffe. Wo eine Rotation von einer Aktion ausgeht, wirkt die Rollbewegung eher wie eine Reaktion.

In Tipp 181 > KLICK haben wir dieses Thema aufgegriffen und mit der Technik des schnellsten Schwimmers der Welt – Cameron McEvoy – abgeglichen. Auch hier spielt die Thematik eine Rolle. Eine der Fragestellungen: weshalb atmen 50-Meter-Sprinter und -Sprinterinnen nicht?

Hier beginnt die Diskussion deshalb folgerichtig wieder einmal. Doch blicken wir am besten in die Studie.

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Titel der Studie

Body roll in swimming: a review

Körperrotation im Schwimmen

Autoren: Stelios Psycharakis, Ross H. Handers

Erschienen in: Journal Sports Science, 2010 Feb;28(3):229-36 > Link

Inhalt der Studie

In diesem Artikel präsentieren wir eine kritische Übersicht der Schwimmliteratur zum Thema Körperrotation.

Ziel der Studie

Ziel ist es, den aktuellen Wissensstand zusammenzufassen und hervorzuheben, Forschungslücken und -beschränkungen aufzuzeigen und weitere Forschung anzuregen.

Ergebnis der Studie

Die wichtigsten Forschungsergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Schwimmer rollen ihre Schultern deutlich stärker als ihre Hüften
  • bei Ermüdung verstärkt sich die Hüftrotation, die Schulterrotation bleibt jedoch erhalten
  • schnellere Schwimmer rollen ihre Schultern auf einer 200-Meter-Strecke weniger stark als langsamere

Beim Kraulschwimmen existieren zwar Asymmetrien in der Körperrotation, zeitliche Unterschiede zwischen Schulter- und Hüftrotation sowie eine Seitendominanz der Schulterrotation, es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass diese die Schwimmleistung beeinflussen; und der Auftrieb trägt maßgeblich zur Körperrotation beim Kraulschwimmen bei.

Zusammenfassung der Autoren

Aufbauend auf dem aktuellen Wissensstand und angeregt durch diesen, sollte sich die zukünftige Forschung auf folgende Bereiche konzentrieren:

  • Berechnung der Körperrollbewegung bei Schwimmerinnen und beim Rückenschwimmen
  • Unterschiede in der Körperrollbewegung zwischen Atem- und Nicht-Atemzyklen
  • Ursachen von Asymmetrien der Körperrollbewegung und deren Zusammenhang mit der motorischen Lateralität
  • Analyse der Körperrollbewegung über ein breites Spektrum von Geschwindigkeiten und Schwimmdistanzen
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Körperrollbewegung und der Stärke und Richtung der während des Schwimmzyklus entwickelten Vortriebs-/Widerstandskräfte
  • und der Einfluss der Beinschlagbewegungen auf die Erzeugung der Körperrollbewegung.

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