Schneller Schwimmen #21: Jede Schwimmtechnik ist multifaktoriell

Es gibt sie nicht, DIE optimale Schwimmtechnik

Warum individuelle Faktoren zu berücksichtigen sind

Es wird und oft von der optimalen Technik gesprochen. Dann wird meistens der Maßstab eines Spitzensportlers angelegt, der im besten Falle der aktuelle Weltrekordler, Olympiasieger oder Weltmeister ist. Denn natürlich gilt die kausale Aussage: wer derart schnell schwimmt, der muss seine Sache ja auch richtig machen. Im Prinzip ist das auch völlig korrekt. Doch gilt der Zusatz: der angesprochene Athlet schwimmt angesichts seiner individuellen Möglichkeiten mit einer optimalen Technik. Die individuellen Möglichkeiten sind es, die jede Ausprägung der Schwimmtechnik beeinflussen.

Im Spitzenbereich ist das meistens schon geschehen, ansonsten wäre der jeweilige Athlet ja auch nicht dort angekommen. Sprechen wir nun aber über den Nachwuchssportler oder sogar den Seiteneinsteiger, wie er im Triathlon ja häufig anzutreffen ist, ist die alleinige Imitation der Spitzentechnik mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt. Denn dort, wo im Spitzenbereich schon allein die körperliche Konstitution die Voraussetzung darstellt, um Topleistungen vollbringen zu können, so gibt es besonders im Seiteneinsteigerbereich nur ganz selten die perfekte Schwimmerkonstitution. Was ist also zu tun?

Die Ist-Analyse ist der Anfang

Am Anfang steht hier die individuelle Analyse der Ist-Situation und die Frage, mit welchen Voraussetzungen man individuell an diese Aufgabe herangeht. An diesem Punkt ist der Sportler selber gefragt oder , wenn man darauf zugreifen kann, der Trainer oder Experte. Letzterer sollte dann die Qualifikation mitbringen, diese Situation individuell erfassen zu können, um daraus eine individuelle Empfehlung ableiten zu können. Blicken wir auf die zahlreichen Faktoren, so wird deutlich, wie wichtig diese Ausgangsanalyse ist. Zugleich stellt sich die Frage, ob ein Online-Coaching sinnvoll ist, bei dem der Trainer keine Information über die Bewegungsqualität erhält. So sollte die Eingangsanalyse bei jedem Online-Coaching an erster Stelle stehen, um auch tatsächlich das optimale Ergebnis zu ermöglichen.

Individuelle Faktoren, die die Schwimmtechnik unmittelbar beeinflussen:

  • Körpergröße
  • Körperform
  • Hand- und Fußgröße
  • Ape-Index (Verhältnis Spannweite zu Körpergröße)
  • Beweglichkeit
  • Physiologische Werte (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit)
  • Lokale muskuläre Fähigkeiten
  • u.v.a.

Weitere Informationen dazu im Artikel “Warum der Blick in den Spiegel …” > KLICK

Darf man einer zierlichen Dame mit 165 Zentimeter Körpergröße, Schuhgröße 36 dieselben technischen Empfehlungen hinsichtlich Bewegungsfrequenz, Zuglänge u.a. geben wie einem 190 Zentimeter großen Mann mit Schuhgröße 48? Selbstverständlich nicht! Und doch wird ganz häufig so gemacht. Doch diese Schablone kann nicht funktionieren.

Pflichtaufgabe für Sportler und Trainer

Deshalb ist es die Pflicht eines Trainers, Übungsleiters, Lehrers, den Sportler über die theoretischen Hintergründe einer individuell optimalen Schwimmtechnik aufzuklären. Dazu gehören biomechanische Aspekte ebenso wie die spezifischen Merkmale der Hydrodynamik. Geschieht dies nicht, ist das Ergebnis von sehr viel Zufall und im Regelfall von Unzufriedenheit geprägt. Die Art und Weise, wie man am besten lernt und welche didaktischen Mechanismen dahinterstehen, wird Inhalt eines weiteren Tipps zur “Didaktik des Bewegungslernens” sein. In Tipp #23 werden wir uns mit dieser Materie beschäftigen.

Das Ergebnis ist ein zielgerichteter Prozess

Zusammenfassend wird deutlich, wie wichtig die individuelle Analyse ist und von welchen zahlreichen Faktoren die beste Schwimmtechnik abhängt. Ein komplexer Prozess, der viel Knowhow erfordert. Im Video sprechen wir über die zahlreichen Komponenten und wie sie die Schwimmtechnik im Ergebnis, sprich Leistung, positiv beeinflussen, oder besser: steuern.

Das Video mit weiteren Tipps und Erklärungen

Mit einem Klick auf das Motiv startet das Video. Viel Spaß bei der persönlichen Analyse und dem Blick in den Spiegel. Denn er verrät ganz schnell, wie Sie Ihre Schwimm-Performance so richtig nach oben schieben können. Das Ergebnis? Training macht dann noch mehr Spaß, weil Sie genau spüren, das Richtige zu tun. Ein Prozess, der von einem klaren Ziel angetrieben ist statt von Zufall und erfolglosen Versuchen. So soll sportliches Training sein!

ein Beitrag von Holger Lüning