Schwimm-Tipps für Triathleten

Schwimmen im Triathlon

Es scheint um mehr zu gehen als um ein paar Sekündchen. Natürlich ist es der Herdentrieb, der keinen von uns ruhig bleiben lässt, wenn dann endlich das Startsignal ertönt ist. Warum aber die guten Vorsätze über Bord werfen, wenn die Vorbereitung gut ist?

von Holger Lüning

Schon in den ersten Momenten eines Triathlonwettkampfes zeigt sich die Sonderstellung des Schwimmens. In keiner der anderen beiden Disziplinen erfahren wir etwas vergleichbares wie den Massenstart. Startverhalten zeichnet sich zwangsläufig dadurch aus, dass man sich explosiv aus der Startposition bewegt und sich beschleunigt. Hohe Intensitäten kennzeichnen den ersten, das Aufrechterhalten einer hohen Geschwindigkeit den zweiten und ökonomisches Schwimmen bis zum Ausstieg den dritten Teil des ersten Abschnittes.

Während der Schwimmer im Becken in aller Ruhe seine Bahnen ziehen kann, hat der Triathlet fast ständig mit Konkurrenten zu kämpfen, muß Ausweichmanöver und Geschwindigkeitskorrekturen vornehmen. Alles in allem verlangt die Schwimmdisziplin einen sehr flexiblen Athleten. Aber erst einmal der Reihe nach.

Der Start

Es ist nicht nur die hohe Beschleunigungsenergie, die der Organismus gleich zu Beginn aufbringen muß. Zugleich kämpft man mit vielen anderen Sportlern um Plätze, Wasserschatten und Orientierung. Die ambitionierten Sportler habe zudem immer auch die Gruppe im Auge, die man unbedingt erwischen muß, um „dabei“ zu sein. Zwangsläufig ergeben sich aus diesen Beanspruchungsformen auch die Hauptaufgaben für das Training.

Das Schwimmtraining für Triathleten ist deutlich intensiver als das Rad- oder Lauftraining. Der Anteil des anaeroben Trainings nimmt einen größeren Stellenwert ein, um auch im ermüdeten Zustand auf Tempoveränderungen reagieren zu können. Genauso wichtiger ist eine Belastungssimulation der Startphase. Je besser der Organismus lernt, mit dieser Situation zurecht zu kommen, desto entspannter erlebt man die Startphase. Doch nicht nur das. Man kommt zudem schneller aus dem Gewühl heraus, schwimmt sich frei und kann seinen Rhythmus schneller finden. Gute Gründe, um im Training ab und zu an seine Grenzen zu gehen.

Die Taktik

Man kennt die Situation vom Umschwimmen jeder Wendeboje. Das Feld drängt sich zusammen, das Tempo erhöht sich. Nicht selten wird auch an jeder Wendeboje, beim Kampf um die Ideallinie, noch einmal das Tempo verschärft. Auch diesen taktischen Situationen sollte man gewappnet sein. Sie können in spielerischer Version in das Training integriert werden. Auch ein Test-Schwimmwettkampf im Freiwasser kann die nötige Sicherheit bringen.

Oberstes Gebot, bei allen taktischen Finessen, ist das Finden des eigenen Rhythmus´. Gerade in der Anfangsphase neigt man zu einem übersteigerten Tempo, das man am Ende teuer bezahlen könnte. Auch wenn man schon zu Beginn immer wieder Kollisionen mit anderen Sportlern hat oder Schläge einstecken muß. Man sollte sich immer vergegenwärtigen, dass keine Absicht vorliegt und jeder einzig für sich allein genug zu kämpfen hat. Also nicht lange über die Gegner ärgern, sondern fokussiert auf den eigenen Rhythmus bleiben. Nur so kann man seine eigene Leistung abrufen und ein ökonomisches Rennen auf der ersten Teilstrecke schwimmen. Ein wichtiger Aspekt – sind doch anschließend noch zwei Disziplinen zu absolvieren!

Die Orientierung

Ein aufmerksames Studieren des Streckenverlaufs bringt viele Vorteile mit sich. Zum einen kann man schon im Vorfeld seine eigene Strategie entwickeln und zweitens kann man besser reagieren, wenn man doch mal von der Ideallinie abkommen sollte.

Besondere Merkmale am Ufer oder in Ufernähe (z.B. Gebäude, Werbetafeln, Bademeisterhaus, Baumgruppen o.ä.) eignen sich sehr gut, um die Groborientierung zu wahren. Gerade zu Beginn des Rennens ist es sehr schwer, die nächsten Bojen zu erkennen. Durch das aufgewühlte Wasser verschwinden diese Richtungsweiser zwischenzeitlich einmal. Ein Gebäude hingegen bleibt gut sichtbar.

Um den besten Ausstiegsweg zur Wechselzone zu finden, sollte man sich schon vor dem Wettkampf den Wechselbereich einprägen. Zudem hilft es, während des Einschwimmens den Ausstieg kurz zu simulieren. So bekommt man einen Eindruck davon, wie man sich vom Wasser aus in diesen Bereich bewegt.

Die Ausrüstung

Was steht ganz oben auf der Ausrüstungsliste? Natürlich der Neoprenanzug. Dieses Hilfsmittel vergisst man eher selten. Anders sieht es jedoch mit Schwimmbrillen aus. Beim Schwimmen unter freiem Himmel ist es immer empfehlenswert, zwei Brillen mit unterschiedlicher Glaseinfärbung einzupacken. Je nach Grad der Sonneneinstrahlung wählt man das geeignete Modell. Um unangenehme Scheuerstellen durch den Neoprenanzug zu verhindern, helfen Salben oder Cremes zum Schutz der beanspruchten Hautpartien.

Routinemäßig sollte man immer eine zusätzliche Bademütze mit im Gepäck haben. Entweder gegen Wärmeverlust bei kaltem Wasser oder falls der Veranstalter mal keine Mützen ausgibt.

Das Schwimmen im Freiwasser erfordert einen flexiblen Athleten, der sich nicht durch äußere Umstände aus der Ruhe bringen lässt. Die realistische Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, gerade auch bei der Wahl der Startposition, ist dabei sehr hilfreich. Dann hat man beste Voraussetzungen geschaffen, um sich voll und ganz auf sich selbst konzentrieren zu können.

 

 

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