Die ENTSPORTLICHUNG der Gesellschaft

Wird der Sport abgeschafft?

Der wahre Wert aktiver Gesundheitspflege

Man muss wahrlich kein Wissenschaftler oder Mediziner sein, um die positiven Auswirkungen von Bewegung auf den menschlichen Körper zu kennen. Bewegung, vor allem in der freien Natur, kräftigt die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und vieler Stoffwechselprozesse. Wer sportiv unterwegs ist, stärkt die Lungenfunktion, empfängt wichtige Anpassungsreize auf den Bewegungsapparat und wird fit. Es gibt kein Argument gegen den Sport und seine gesundheitsfördernden Aspekte auf den menschlichen Körper.

Blickt man zusätzlich in die Psyche eines Menschen, der sich an der frischen Luft bewegt, erkennt man faszinierende Dinge. Zahlreiche Studien belegen, welch positiven Auswirkungen der Aufenthalt in der Natur auf die mentale Verfassung des Menschen hat. Und wer seine “grüne Dosis” nicht bekommt, dem geht es nicht so gut wie es ihm gehen könnte. In den USA spricht man sogar von einer “Nature-Deficit-Disorder”. Nämlich dann, wenn sich der Mensch überwiegend in geschlossenen Räumen bei mangelnder Bewegung aufhält – oder besser vegetiert. Bewegung hilft gegen Depressionen, stärkt das Selbstbewusstsein und hat eine direkte Wirkung auf die Funktion des Immunsystems. Das ist Fakt. Punkt.

Stay at Home oder besser Go Out And Play?

Das ist Ihnen, lieber Leser, wahrscheinlich alles klar. Anderen Menschen, die unsere Geschicke leiten, offensichtlich nicht. Das provoziert die Frage: Weshalb leben wir aktuell so, wie wir leben? Oder etwas provokant: wieso lässt man uns so leben, obwohl die gesundheitsfördernden Auswirkungen unbestritten und bekannt sind? Denn die Entscheidung, wann, wo und wie wir Sport treiben, treffen wir nicht mehr selbst.

Unter dem Hashtag #stayathome wird dem Menschen eine fragwürdige Verhaltensweise suggeriert, teilweise befohlen. Zum Wohl unserer Gesundheit besser auf´s Sofa – mit Netflix, Chips und Co. Fragezeichen? Führt man sich die genannten Aspekte sportlicher Bewegung vor Augen, mag man an die Kompetenz der handelnden Personen nicht so recht glauben.

“Die Daten, die wir bei Diabetikern in regelmäßigen Abständen erheben, befinden sich seit März wegen des akuten Bewegungsmangels in einer mehr als kritischen Entwicklung”, sagt ein Allgemeinmediziner. Häusliche Gewalt nähme zu, depressive Stimmungsschwankungen und deren Bekämpfung kann man anhand der prall gefüllten Altglastonnen allerorten ablesen.

Wir berauben uns gerade unserer stärksten Waffe: der Kraft und der Stärke, die aus uns selbst kommt!

Natürlich kann man einen Virus nicht einfach ignorieren. Dennoch, oder gerade deshalb, ist es doch geboten, kreative Lösungen zu finden, die die Menschen stärken und sie zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen. Nicht einmal den Ansatz einer Lösung hat es gegeben. Sportler wurden von heute auf morgen aus ihren Trainingsprozessen gerissen, ohne Rücksicht auf deren Gesundheit. Abgebremst von 100 auf 0! Ist das gesund? Oder ist man sich der sozialen Gruppe der Sportler gar nicht bewusst? Sozial – damit sind schließlich auch die Sportarten betroffen, die sich in Gruppen und Teams bewegen oder ihren Sport nur in Hallen betreiben können. Dem Radfahrer wird dies nicht sonderlich tangiert haben.

Die Krise zeigt den wahren Wert des Sports in unserer Kultur. Es gibt ihn nicht!

Wann ist bei Ihnen eine neue Sporthalle, ein Sportplatz oder gar ein Schwimmbad gebaut worden? Wann hat sich die Situation für den Sport verbessert in den vergangenen zehn Jahren, welche von den höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten geprägt waren? Weder die Politik noch die Privatwirtschaft scheinen ein Interesse daran zu haben, der Pflicht nachzukommen, den Menschen etwas zu geben. Soziale Verantwortung hat man das mal genannt.

Bewegungsintelligenz schulen und Kinder fit machen

Es gibt keine Konzepte. Weder im Nachwuchsbereich, Altersklassen- noch im Spitzensport, welcher seit Jahrzehnten auf gangbare Lösungen hinsichtlich einer dualen Karriere wartet. Ebenso gehören die reinen Gesundheitssportler in diese Aufzählung hinein. Und wenn der Blick schon über die sportliche Wüste wandert, erscheinen am Horizont noch ganz andere vereinsamte Kreaturen. Unsere Kinder erleben in den Schulen schon lange kein ausreichendes Bewegungsangebot mehr, welches Ihnen ein Körperbewusstsein vermitteln könnte. Bewegungsintelligenz und damit persönliches Wohlbefinden steht in direktem Zusammenhang mit der empfundenen Lebensqualität, dem SelbstBEWUSSTsein. Wer das nicht in frühen Jahren lernt, bleibt zeitlebens “bewegungseingeschränkt”. Sicher nicht das, was eine Gesellschaft tatsächlich voranbringt.

Unwissenheit ist keine Entschuldigung

In diesem Sektor kann man demzufolge nur Unwissenheit annehmen, um die Entscheidungen zu verstehen. Doch wenn schon im Bereich der Gesundheitserhaltung und -förderung auf höchster Ebene derartige Wissenslücken zu geben scheint, blickt man der Zukunft wenig gut gelaunt entgegen.

Es ist, bei aller Berücksichtigung der Gesamtsituation, ein Armutszeugnis. Etwas schärfer formuliert: die Pflicht eine Maske zu tragen, scheint die einzige Idee der klügsten Köpfe zum Thema Gesundheitsförderung zu sein. Das ermuntert nicht. Wo beginnt eigentlich die Körperverletzung? Ist es der Entzug von Möglichkeiten, den Körper zu schützen? Ist es der Moment, wo einem alten Menschen das Sitzen auf einer Parkbank verwehrt wird, weil er sich dort mit frischer Atemluft versorgen und seinen Zellen eine immunstärkende Sauerstoffkur ermöglichen möchte? Der Grad ist schmal und sicher nicht leicht zu gehen, das sei angemerkt. Es fehlt vielerorten aber eben auch an empathischer Kompetenz.

Die Entsportlichung

Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen darf infrage gestellt werden. Im Sinne des Sports darf man behaupten, dass “unser Trainer-Team” um die Politiker und Wissenschaftler die einfachsten Mechanismen des Coachings mißachtet hat. Keine Sportmannschaft der Welt würde mit den ausgegebenen Verhaltensmaßregeln der Führungsriege Erfolg haben (können). Wir wären ein entmutigter Haufen, um es mal salopp zu formulieren. Und Erfolg bedeutet in diesem Zusammenhang, das Selbstbewusstsein, die körperliche Leistungsfähigkeit und damit auch die Abwehrkraft zu erhalten oder sogar zu verbessern. Fit for eben.

Wäre es nicht eine einzigartige Chance gewesen, genau jetzt auf einen gesunden Lebensstil hinzuweisen und deutlich zu machen, dass der Mensch damit seinen viralen Gegnern deutlich selbstsicherer entgegentreten kann, als im Haus zu bleiben? Hätte nicht sogar der Aufruf erfolgen müssen, in die Natur hinaus zu gehen, sich zu bewegen, die Gedanken zu reinigen und stark und kraftvoll zu werden? Man hat versagt – und das auf ganzer Linie.

Noch schlimmer: Wir sind (hoffentlich nur temporär) entsportlicht worden. Der Sport hat keine Lobby.

Und von all den Problemen der Personal Trainer, Fitnessstudiobetreiber u.a. – die uns den Sport zum Teil erst ermöglichen – gar nicht zu reden.

(ein Kommentar von Holger Lüning)