Trends: Für wen eignet sich der Delfin-Kick denn nun?

Trends im Schwimmsport

Neue Trainingsmethoden erscheinen immer wieder. Technologien durchdringen den Sport immer mehr. Was ist im Schwimmsport davon angekommen und für wen lohnt es sich?

Von Holger Lüning

Ist Schwimmen eine Trendsportart? Vielleicht nicht unbedingt, denn die Stärke dieser Sportart ist die Historie, der Gesundheitsaspekt und natürlich auch die Freude an den fast uneingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten. Eine lange Historie kann so oder so aber auch schnell dazu führen, dass man sich in dem was man tut sicher ist oder zum Teil sogar neuen Entwicklungen gegenüber weniger aufgeschlossen ist.

Verstaubt oder modern?

Den traditionellen Sportarten wie dem Schwimmen, der Leichtathletik oder dem Turnen wird schnell mal nachgesagt, dass sie etwas verstaubt sind und die Dinge gerne machen, „wie wir es schon immer gemacht haben“. In dieser Aussage wohnt einerseits zurecht der Gedanke inne, über viele Jahre und Jahrzehnte wertvolles Wissen angehäuft zu haben. Andererseits bekommt man als Außenstehender auch ab und zu das Gefühl, es ginge auch darum, die Dinge zu sichern, die man beherrscht. Kurz gesagt: neue Dinge fordern Veränderungen und da der Mensch bekanntlich ein Gewohnheitstier ist, muss immer erst jemand kommen, der etwas Neues sehr erfolgreich umgesetzt hat.

Da haben es relativ junge Sportarten wie der Triathlon sogar fast einfacher. Zwar sind in den Anfangsjahren so manche Irrungen in den Sport gedrungen. Zweifellos hat der Triathlonsport aber auch sehr viel Bewegung in die beteiligten Sportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen gebracht. Und wenn es nur dazu geführt hat, etablierte Dinge einfach mal zu hinterfragen oder sich dem Ansatz zu stellen „Geht das nicht auch anders?“, dann hat es zumindest zu einem Prozess der Hinterfragung geführt.

Trends sind kurzlebig … oder?

Trends – dieser Begriff hat immer auch etwas Kurzlebiges in sich. Und tatsächlich hat es auch im Schwimmsport viele Trends gegeben. Oftmals initiiert von einigen erfolgreichen Sportlern. Wie etwa in den Achtzigerjahren als besonders die Langstreckler mit einem Trainingspensum aufwarteten, das heutzutage fast undenkbar sind. Teilweise 20 Kilometer am Tag sind die Spitzensportler damals am Tag geschwommen, und zwar nicht nur einmal in der Woche, sondern regelmäßig.

Andere Trends, wie die aufkommenden Delfinkicks bei den Rückenschwimmern Ende der Achtzigerjahre, haben hingegen eine Dynamik angenommen, die eigentlich erst fünfzehn bis zwanzig Jahre später in das Training aller Alters- und Leistungsklassen Eingang gefunden hat. Das lässt die Frage aufkommen, ob es derzeit nicht auch den ein oder anderen Trend gibt, dessen Langfristigkeit und Dynamik möglicherweise noch gar nicht so recht erkannt wurde.

Delfinkicks

Die Technik der Delfinkicks in der Unterwasserphase, hat eine sehr interessante Entwicklung durchlebt. Naturgemäß sind sie vor allem zunächst in der Unterwasserphase nach Start und Wende beim Delfinschwimmen eingesetzt worden. Wie schon beschrieben, bemerkten einige Rückenschwimmer welch enormes Tempo sie in der Unterwasserphase mit dieser Technik realisieren konnten. Bei den Olympischen Spielen 1988 war der Japaner Daichi Suzuki bei seinem Goldmedaillengewinn über 100 Meter Rücken erst nach 30 Metern an der Wasseroberfläche zu sehen. Bei den Freistilschwimmern war es kein geringerer als Michael Phelps, der bei seinem Weltmeistertitel 2007 in Melbourne über 200 Meter Freistil mit einer sensationellen Delfinkick-Technik aus der letzten Wende heraus, die Schwimmwelt begeisterte. Und zu guter Letzt sind auch die Brustschwimmer auf den Zug aufgesprungen und haben festgestellt, wie die sogenannten Undulation (die wellenartige Durchbiegung des Körpers) doch erhebliche Vorteile mit sich bringt. Nach etlichen Disqualifikationen haben sich dann auch die Verbände durchgerungen, die Regeln für das Brustschwimmen neu zu definieren.

Chancen und Möglichkeiten:

Mit Sicherheit sind die Delfinkicks gewinnbringend. Das beweisen die vielen herausragenden Leistungen im Spitzenbereich. Deshalb ist es für den leistungssportlich orientierten Schwimmer ein Muss, bereits in frühen Jahren die Technik zu erlernen und sie zu perfektionieren. Doch es gibt ein aber!

Diese Technik erfordert ein sehr hohes Maß an Kraft und Dynamik im Körperzentrum. Denn nur, wenn mit einem kräftigen Rumpf schnelle Bewegungen der Beine erzeugt werden, ist die wichtige Gegenkraft vorhanden, um einen optimalen Vortrieb zu erzeugen. Ist diese enorme Rumpfkraft nicht vorhanden, kommt es zu einer Ganzkörperbewegung mit großer Amplitude und daraus folgernd sehr hohen Widerstandswerten. Demzufolge darf die Technik der Delfinkicks durchaus als eine Elite-Technik bezeichnet werden.

Überprüfung wichtig

Gerade im Mastersbereich sind Trainer und Sportler deshalb gut beraten, die neue Technik nicht einfach zu integrieren. Vielmehr bedarf es sorgfältiger Vorarbeit und am Ende auch der Überprüfung. Schwimmen Sie mehrere 15-Meter-Sprint-Varianten – mal mit mehr, mal mit weniger Delfinkicks, um zu sehen, wie sich die Technik auf die Zeit auswirkt. Nur dann kann man sicher sein, die individuell optimale Veränderung durchzuführen.

… im zweiten Teil besprechen wir Trainingsmethoden wie USRPT und die Chancen, die sich aus dem Prinzip ergeben, das hinter dem Ultra-Short-Race-Pace-Training steckt. Am nächsten Donnerstag an dieser Stelle.