Studie: Gezieltes Atemtraining verbessert die 400-m-Freistil-Leistung

Kann gezielt eingesetztes Atemtraining die Schwimmleistung verbessern?

Atemmangel-Übungen in der Aufwärmphase vor einem Rennen

Der Atemmangel gehört zu Schwimmen dazu. Da man sich nicht, wie beispielsweise beim Radfahren, Laufen oder Rudern, “an der Luft befindet”, sondern den Atemvorgang der Koordination unterordnen muss, erlebt der Schwimmer zwangsläufig Momente, in denen er gerne atmen möchte, es aber nicht frei tun kann. Soll heißen: die Koordination im Schwimmen erlaubt dem Sportler immer nur ein recht kurzes Zeitfenster, um den Atemvorgang durchzuführen.

Und da man weiß, wie wichtig die Zufuhr von Sauerstoff ist und in welchem Maße diese Zufuhr leistungsfördernd oder auch -reduzierend wirken kann, gilt der Atmung besonderes Interesse. Zumindest sollte es das. Vielleicht wird dieser Aspekt auch zum Teil im Training nicht genügend berücksichtigt. Umso wichtiger ist es, Studien zu diesem Thema zur Hilfe zu nehmen, um das Training möglicherweise anzupassen oder auch die Sensibilität für dieses Thema zu erhöhen. Schließlich könnte darin der Schlüssel zu höherer Leistungsabgabe liegen oder auch erhöhte Sicherheit im Falle des Atemmangels (wie es mitunter bei Seiteneinsteigern zu beobachten ist) bieten. Auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema, zu dem wir eine aktuelle Studie gefunden haben, die wir im folgenden Teil zusammenfassen.

Hier geht es zu einem weiteren Artikel > KLICK: Weniger atmen und schneller schwimmen?

Titel der Studie

Effects of pre-race apneas on 400-m freestyle swimming performance

Autoren: Robertson, C., Lodin-Sundström, A., O’Hara, J., King, R., Wainwright, B. & Barlow, M.

Erschienen: The Journal of Strength and Conditioning Research, 34 (3), 828-837. 2020

Ziel der Studie

Ziel dieser Studie war es festzustellen, ob eine Serie von 3 Apnoen (Übungen des Luftanhaltens) vor einem 400-m-Freistil-Zeitschwimmen die Schwimmleistung im Vergleich zu und in Kombination mit einem Warm-up beeinflusst.

Methodik und Ergebnisse

Neun (6 Männer und 3 Frauen) regionale bis nationale Leistungsschwimmer absolvierten vier 400-m-Freistil-Zeitschwimmen unter vier randomisierten Bedingungen:

  • ohne Aufwärmen oder Apnoen (CON),
  • nur Aufwärmen (WU),
  • nur Apnoen (AP) und
  • Aufwärmen und Apnoen (WUAP).

Die Zeitschwimmleistung war nach WUAP (275,79 ± 12,88 Sekunden) im Vergleich zu CON (278,66 ± 13,31 Sekunden, p = 0,035) und AP (278,64 ± 4,10 Sekunden, p = 0,015) signifikant verbessert.

Die Kombination aus Aufwärmen mit darin enthaltenen Apnoe-Übungen (WUAP) führten zu den besten Leistungen.

Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen der WU (276,01 ± 13,52 Sekunden, p> 0,05) und anderen Interventionen. Das Milzvolumen war im Vergleich zum Ausgangswert nach den Apnoen im WUAP um maximal ~ 45% und im WU um ~ 20% signifikant reduziert.

Schlussfolgerung der Autoren

Diese Studie zeigte, dass die Kombination eines Aufwärmens mit Apnoen die 400-m-Freistil-Schwimmleistung im Vergleich zu einer Kontroll- und Apnoe-Intervention signifikant verbessern kann. Weitere Untersuchungen, ob ein langfristiges Apnoe-Training diese Reaktion verbessern kann, sind gerechtfertigt.

Der DOC-SWIM-Trainingstipp

In Trainingsplan #70 widmen wir uns dem Thema des Atemmangel-Trainings. Es dient dazu, den Vorgang des Atmens noch besser wahrnehmen und steuern zu können. Viel Spaß mit diesem Trainingsplan!