Die Trainingseinheit – das kleinste Puzzleteil in der Planung

Das kleinste Puzzleteil: die Trainingseinheit

In der Planung liegt der Erfolg. Die Trainingseinheit ist das kleinste Teil in der Trainingsplanung. Gehen Sie in die individuelle Detailplanung.

Als Michael Phelps nach seinen acht Goldmedaillen von Peking 2008 befragt wurde, wo denn sein Erfolgsgeheimnis liegen würde, antwortete er sinngemäß: „ Es gibt zwei Erfolgskomponenten. Die eine ist, dass ich in den drei Jahren vor Peking an jedem einzelnen Tag trainiert habe, ohne Ausnahme. Und der zweite Erfolgsfaktor liegt darin, dass ich von meinem Trainer Bob Bowman teilweise Trainingsprogramme erhalten habe, von denen ich im Vorfeld gar nicht wusste, ob ich sie überhaupt durchstehe!“ Erstaunliche Worte des besten Schwimmers der Welt. Ganz besonders der zweite Teil seiner Erklärung zeigt deutlich, welche Dynamik in jedem Training steckt, wenn selbst der achtfache Olympiasieger unsicher ist, die geplante Aufgabe bewältigen zu können. Spannung klingt aus den Worten von Michael Phelps.

Detailplanung notwendig

Aus diesen Äußerungen kann tatsächlich jeder Schwimmer, unabhängig seiner Leistungs- und Altersklasse, sehr viel Motivation und persönlichen Antrieb ziehen. Planen Sie jedes einzelne Training mit der Aufmerksamkeit auf jedes Detail. Oder anders: schreiben Sie jede Trainingseinheit wie ein Drehbuch zu Ihrem persönlichen TV-Krimi. Mit Ihnen oder Ihren Schützlingen in der Hauptrolle. Dann ist voller Einsatz gewiss und die Motivation entsteht wie von alleine!

Sie werden es selber bestätigen können. Nur wer konzentriert an seine einzelnen Übungseinheiten herangeht, behält das große Ziel im Auge. Denn es gibt nichts auf morgen zu verschieben, wenn es heute im Training erledigt werden kann. Um diesen Ansatz auch erfolgreich in die Tat umsetzen zu können, sollte im Idealfall jedes Training einen klar formulierten Sinn und Zweck verfolgen. Wie ist das bei Ihnen? Steht denn wirklich jede Einheit unter einem klaren Fokus? Oder geht doch mitunter Trainingszeit verloren, weil die Umsetzung doch nicht immer so eindeutig ist?

Das kleinste Glied in der Kette entscheidet

Die Trainingseinheit ist das kleinste Glied einer komplexen Kette: der langfristigen Trainingsplanung. Gut überlegt und mit konkreten Inhalten versehen, kann dieses Kettenglied der Garant dafür sein, dass sich ein sehr starkes Gesamtkonstrukt ergibt.

Zwar ist das Training in mehr oder weniger großen Gruppen immer mit einem Kompromiss versehen, doch sollte das nicht ablenken, jedem Training, ein oder maximal zwei Hauptthemen zu verleihen. Für die Planung am Schreibtisch sollte Ihnen das folgende Gerüst helfen, um die Eckdaten für Ihr „Drehbuch“ zu fixieren.

Variieren Sie diese bewährte Planungshilfe nach Ihren persönlichen Bedürfnissen bzw. den Gegebenheiten vor Ort oder auch abhängig von der Gruppengröße.

Konsequenz in der Durchführung

Die Stärke dieses kleinsten Bausteins einer längerfristigen Trainingsplanung liegt ganz besonders in der konsequenten Ausführung. Konzentrieren Sie die Inhalte auf maximal zwei Schwerpunkte und Sie werden das maximale Ergebnis erzielen können. Einfach gesprochen ist jedes Training mit einem Angriff auf das biologische Gleichgewicht Ihres Organismus zu vergleichen. Die Trainingsreize sollen dem Organismus den klaren Auftrag vermitteln, sich für ähnlich strukturierte Angriffe zu wappnen. Im Idealfall kommt es zu einer Anpassung, welche über das bisherige Leistungsvermögen hinausgeht: die Superkompensation.

Deshalb gilt der Planung besondere Aufmerksamkeit, soll sie doch genau die Reize produzieren, welche die genannten Anpassungsprozesse optimal in Gang setzen. Je klarer der Trainingsreiz strukturiert ist, desto klarer wird auch die Anpassung sein. Je tiefer und spezifischer das Training z.B. die lokale Arbeitsmuskulatur ermüdet, umso stärker wird die Anpassung sein. Sie zeigt sich durch einen verzögerten Leistungsanstieg.

Overreaching und Erholung

Jedoch auch nur dann, wenn es Ihnen gelingt, genau diesen Strukturen auch die Zeit einzuräumen, die sie benötigen, um die Umbauarbeiten in Ruhe durchführen zu können. Stören Sie diesen Umbau, sprich die Regeneration, kommt es zu einem weiteren, temporären Leistungsabfall. In diesem Fall spricht man von dem Prinzip des Overreaching. Es handelt sich dabei um ein erwünschtes Phänomen der Ermüdung. Erkennen Sie aber, dass sich keine Erholung mehr einstellt, Sie oder Ihre Sportler dauerhaft an Leistung einbüßen, könnten Sie sich am Rande eines Übertrainings befinden. Behalten Sie die Reaktionen deshalb gut im Auge, im besten Falle mittels einer Dokumentation, um rechtzeitig Kursänderungen in der Trainingsplanung vorzunehmen.

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Ein Beitrag von Holger Lüning, Titelfoto: Michael Lapp

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