TECHNIK: Wasserfassen und schnell schwimmen

Wasserfassen: erst fassen, dann Druck machen

Wasserfassen und Druck machen – das sind typische Alltagsbegriffe aus dem Schwimmsport. Mitunter verbergen sich hinter geflügelten Begriffen aber auch echte Weisheiten. Wir sind diesen Weisheiten auf den Grund gegangen.

In vielen Ratgebern wird dem sogenannten Wasserfassen eine enorme Bedeutung zugeschrieben. Die Idee dahinter ist es, die Antriebsflächen möglichst frühzeitig in einen optimalen Winkel zur Erzielung eines Vortriebs zu stellen. In Schwimmerkreisen hört man in diesem Zusammenhang häufig den Begriff des „Ellenbogenstellens“. Diese Bewegung ist sehr spezifisch und tendenziell eher unnatürlich, was dazu führt, dass häufig eine technisch unsaubere Phase des Wasserfassens zu beobachten ist. Um den Ellenbogen hoch anzustellen, sind gut ausgebildete Kräfte, vor allem des Latissimus Dorsi (der große Rückenmuskel), notwendig. Fehlen diese spezifischen Kräfte, kommt es zu einem schwerwiegenden Technikfehler, der sich auf den gesamten Unterwasserzugverlauf auswirken kann. Dann nämlich, wenn der Ellenbogen die Hand und den Unterarm nach hinten wegzieht ohne dass diese Flächen in einem vortriebstechnisch optimalen Winkel zur Schwimmrichtung stehen. In diesem Falle ist die Gefahr groß, dass die folgende Druckphase an Effektivität verliert. Das ist tragisch, weil sie dort den größten Vortrieb erzeugen. Achten Sie deshalb darauf, den Beginn der Druckphase als technisches Merkmal höher einzustufen als ein vorzeitiges und möglicherweise unsauberes Wasserfassen.

Stabiles Handgelenk die Voraussetzung

Sicher kennen Sie die Form eines Paddels aus dem Rudersport. Dort gibt es zwischen dem Hebel, also der Paddelstange, und dem Blatt kein bewegliches Gelenk. Wäre ein Gelenk vorhanden, wäre es fast unmöglich, einen sauberen und effektiven Zug durchzuführen. Ein Problem, mit dem ein Schwimmer aber ständig zu kämpfen hat. So verfügt der Mensch mit dem Handgelenk über die Möglichkeit, die beiden Antriebsflächen Hand und Unterarm durch eine Beugung quasi voneinander zu trennen und ihre Impulse in verschiedene Richtungen zu bringen. Genau dieses Phänomen ist ein häufiges Problem in der Unterwasserphase. Schauen Sie sich Ihre Hand einmal separat an und heben Sie dann den gesamten Arm. Schauen Sie sich einmal an, wie groß die zusätzliche Unterarmfläche ist. Größer als die der Hand! Da man jedoch wegen der feineren Rezeptoren in der Handfläche deutlich stärker über die Hand empfindet und steuert, „verliert“ man den Unterarm häufig. Achten Sie deshalb auf die Stabilisierung des Handgelenks in der Unterwasserphase. Können Sie diese Haltung dauerhaft stabilisieren, vergrößern Sie die Antriebsfläche und schwimmen, ohne mehr Kraft aufwenden zu müssen, deutlich schneller!

„Bei den Spitzenschwimmern sieht das alles so leicht aus. Nur bei mir fühlt es sich so schwer an!“ Diese häufig zu vernehmende Aussage beschreibt eine nicht selten vorhanden Fehlannahme. Denn das, was man Überwasser wahrnehmen kann, ist lediglich ein Teil der Gesamtleistung. Hinzu kommt, dass diese wahrnehmbare Schwungphase der Erholung dient. Würde dies angestrengt aussehen, so würden die beobachteten Schwimmer auch etwas falsch machen. Der große Unterschied wird klar, wenn man sich die Unterwasserphase ansieht. Denn hier wird das Schwimmen zum Kraftsport! Nicht ohne Grund sehen die besten Schwimmer zum Teil sehr muskulös aus. Allein die Erzeugung eines Vortriebs in einem zähen Medium wie dem Wasser erfordert hohe spezifische Kräfte.

Im Umkehrschluss heißt das: suchen Sie den Druck in der Unterwasserphase und arbeiten Sie gegen ihn. Nur wenn Sie kraftvoll und mit hohem Impuls gegen das Wasser drücken, können Sie Vortrieb erzeugen. Je höher die Geschwindigkeit Ihrer Hand gegen das Wasser ist, desto „härter“ wird das Wasser. Genau das ist Ihre Chance, schnell zu schwimmen!

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Von Holger Lüning

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