Equipment: Welche Schwimmkleidung für welchen Einsatz

Schwimmbekleidung

Die Auswahl ist riesengroß. Deshalb haben wir einige Fragen zusammengetragen, um ein wenig Ordnung in die Angelegenheit zu bringen. Welches Outfit paßt zu welchem Schwimmer und zu welchem schwimmerischen Anlass?

Aus Gründen der Angebotsvielfalt ist in diesem Beitrag in weiten Teilen von der Herrenausstattung die Rede. Wir bitten um Verständnis!

  1. Unter welchen Bedingungen macht es für Schwimmer Sinn, einen Jammer zu tragen (Wassertemperatur, Schwimmdauer, Location)? Wann sollte ein Shorty, wann ein Steamer angezogen werden?

Jammer: Bei Temperaturen über der 22-Grad-Marke macht es Sinn, einen Jammer zu tragen. Grundsätzlich hat man ein besseres Wassergefühl und die Wasserposition wird in dem Fall weniger beeinflusst. Somit ist der Jammer für gut geübte Schwimmer tendenziell immer eine gute Wahl.

Ein Shorty sollte dann zum Einsatz kommen, wenn die Wassertemperatur zwischen 20-24 Grad und eine längere Schwimmdauer zu erwarten ist. Besonders in freiem Gewässer kann der Shorty durch seine Auftriebswirkung Sicherheit verleihen und dank des Kälteschutzes vor Auskühlen schützen.

Der Steamer (Anzug mit Neoprenanteil) sollte ausschließlich in freiem Gewässer zum Einsatz kommen oder wenn es sich um ungeheizte Freibäder handelt. Der große Vorteil des Steamers liegt in der Isolierung. Denn dank des Materials schützt der Anzug bei kühlen Wassertemperaturen. Die zusätzliche Auftriebswirkung durch das Neoprenmaterial verbessert die Wasserlage. Das führt grundsätzlich zu einer Energieersparnis und ist deshalb besonders für lange Strecken empfehlenswert.

  1. Was sollte man in Sachen Material beim Kauf beachten? Gibt es Materialien, die für mehr Schnelligkeit und/oder Beweglichkeit sorgen?

Die im Schwimmsport zum Einsatz kommenden Materialien entsprechen den neuesten Stand der Technik. Nach dem Wegfall der superschnellen Anzüge mit Neoprenanteilen dürfen in Wettkämpfen nur noch Textilanzüge verwendet werden. Das gilt für Becken- wie für Freiwasserwettkämpfe.

Für Hobby- und Freizeitschwimmer stellt sich diese Situation nicht. Deshalb sollte bei der Wahl eine „Kälteschutzanzugs“ mit Neoprenanteil, wie man ihn im Triathlon einsetzt, vor allem auf eine gute Passform Wert gelegt werden. Kaufen Sie deshalb nie einen Neoprenanzug, ohne diesen vorher angezogen und im besten Falle bei einem Testschwimmen auch im Wasser ausprobiert zu haben. Die verschiedenen Materialstärken beeinflussen die Wasserlage sehr stark. Deshalb sollte der Anzug zur individuellen Schwimmtechnik passen und den Schwimmer weder in ein Hohlkreuz drücken noch sonstige negative Effekte haben. Bei der richtigen Wahl eines Neoprenanzugs mit hoher Beweglichkeit im Schulterbereich kann man von einer Verbesserung der 100m-Zeit von 4-8 Sekunden ausgehen.

Auf keinen Fall sollte man einen Anzug aus dem Tauch- oder Surfsport für das Schwimmen wählen, da die Materialien weder in Bezug auf Oberflächenstruktur noch in Bezug auf Beweglichkeit für das Schwimmen ausgelegt sind.

  1. Wie entscheidend ist die Materialstärke? Für welche Zwecke eignet sich dünneres, für welche dickeres Material (bezüglich Isolierung und Auftrieb)?

Bei der Wahl eines Jammers stellt sich die Frage nach Materialstärke grundsätzlich nicht, da die Hosen den Vorgaben der FINA (Intern. Schwimmverband) entsprechen müssen und somit stark reglementiert sind. Für das Freiwasserschwimmen gelten seit Neuestem ebenfalls Vorgaben zum Einsatz des Neoprenanzugs (siehe Tabelle unten).

Bei Neoprenanzügen spielt die Materialstärke weniger wegen des Kälteschutzes eine Rolle, sondern viel mehr wegen der Beweglichkeit und des Auftriebs. Im Regelfall werden im Rumpfbereich und an den Beinen dicke Neoprenlagen (sogenannte Panels) mit maximal 5mm Stärke eingearbeitet (maximal erlaubt laut ITU Internationaler Triathlonverband), um der Wasserlagen einen optimalen Auftrieb zu verleihen.

In den Bereichen, die hohe Flexibilität erfordern (Schulterbereich) hingegen reduzieren die Hersteller die Materialstärken auf 1.5-2mm. Die Qualität der Beweglichkeit ist eines Der Qualitätskriterien moderner Neoprenanzüge. Muß man hier gegen Dehnungswiderstände des Materials ankämpfen, vergeudet man viel Energie. Deshalb die unbedingte Empfehlung, die Angebote der Einzelhändler nutzen und ein Testschwimmen mit verschiedenen Modellen durchführen.

  1. Welche Rolle spielen die eigenen Schwimm-Fähigkeiten bei der Wahl der Hose/des Anzug?

Es sind zunächst einmal die äußeren Bedingungen, die für oder gegen ein Modell sprechen. Für gute Schwimmer gilt, dass das Schwimmen in einem Jammer grundsätzlich die purste Form des Schwimmens ist. Man hat das beste Gefühl für das Wasser und lernt das Schwimmen ohne helfende Materialien. Für sportive Schwimmer oder Wettkampf-Schwimmern deshalb immer die erste Wahl.

Schwimmern auf niedrigerem Leistungs- und Technikniveau kann der Auftriebseffekt eines Neoprenanzugs durchaus helfen. Man wird quasi in Sekundenschnelle in eine Weltklasse-Wasserlage gebracht. Das macht Spaß, lässt Möglichkeiten zu, sich auf andere technische Aspekte zu konzentrieren, birgt aber auch die Gefahr, dass man sich zu sehr an diese „Hilfestellung“ gewöhnt. Deshalb sollte man regelmäßig auch in normaler Schwimmbekleidung trainieren, um keinen Gewöhnungseffekt zu bekommen.

Eine Alternative bietet die Neopren-Shorts, die viele Hersteller seit geraumer Zeit im Angebot haben. Sie bieten einen moderaten Auftrieb und „verfälschen“ die Schwimmlage nicht allzu sehr.

  1. Wie kann man als Käufer sichergehen, die optimale Passform der Hose/des Anzugs zu wählen? Wie verlässlich sind die Größentabellen der Hersteller?

Die Größentabellen der Hersteller entsprechen schon recht gut den tatsächlichen Körpermaßen. Alle Hersteller bieten aber mittlerweile regionale Testschwimmen in Zusammenarbeit mit den Sporthändlern an. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um das richtige Modell zu finden. Schwimmen Sie mindestens 2 verschiedene Modelle und Größen, um das optimale Produkt zu ermitteln. Zudem erhalten bei diesen testschwimmen wertvolle Hinweise zum richtigen Anziehen der Anzüge und Pflegehinweise.

  1. Wie eng sollte die Kleidung idealerweise sitzen? Gibt es eventuell einen Trick, um die Bewegungsfreiheit zu testen oder sollte man aufs eigene Gefühl hören?

Die Kleindung sollte enganliegend sitzen. Ist die Hose oder der Anzug zu groß, kann es zum Eindringen von Wasser kommen. Im schlimmsten Falle bläht sich ein Anzug auf oder es sammelt sich Wasser im Rumpfebereich. Das ist unangenehm und beeinflusst die Performance negativ.

Wenn Sie eine Hose oder einen Anzug anprobieren, sollten Sie an Land einige Ausfallschritte machen, um die Bewegunsgfreiheit zu überprüfen. Bei Anzügen sollten Sie einige Trocken-Schwimmübungen (Armkreisen, Kraularmzüge) machen, um die Beweglichkeit zu testen. Strecken Sie die Arme, um zu sehen, ob der Anzug unter den Achseln spannt. Das sollte er nämlich nicht tun, da er sonst die Streckbewegung beim Schwimmen behindert.

Der Halsabschluß sollte eng anliegend aber auf keinen Fall einengend sein. Nichts ist schlimmer als beim Schwimmen Atemprobleme durch einen zu engen Anzug zu bekommen.

  1. Weitere Punkte, die bei der Wahl deiner Schwimmbekleidung zu berücksichtigen ist?

Schwimmbekleidung zum sportiven Schwimmen sollte grundsätzlich enganliegend sein, um die Strömungseigenschaften des eigenen Körpers nicht negativ zu beeinflussen. Der Wasserwiderstand ist einer der wichtigsten Aspekte, wenn es um schnelles Schwimmen geht. Flexible Materialien sind deshalb immer zu bevorzugen, um die Motorik nicht einzuschränken. Billige Schwimmbekleidung wird gerade diesem Punkte ganz selten gerecht. So gilt die einfache Regel: wer billig kauft, kauft doppelt. Deshalb lieber gleich ein bisschen mehr ausgeben und Produkte von einem namhaften Hersteller wählen.


Die neuen Regularien der FINA zum Neopreneinsatz beim Freiwasser-Wettkämpfen:

  • unter 16 Grad: Das Rennen wird nicht gestartet
  • 16-18 Grad: Neoprenanzug ist Pflicht
  • 18-20 Grad: Neoprenanzug optional
  • über 20 Grad: kein Neo erlaubt

von Holger Lüning

 

 

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