Die häufigsten Technikfehler Teil 1/2

Die häufigsten Technikfehler und ihre Korrektur

Schwimmen ist die großartigste Sportart der Welt! Da werden Sie wahrscheinlich keine Einwände haben. Aus Sicht der Gesundheit ist die mehr oder weniger vorhandene Schwerelosigkeit ein starkes Argument, um das Schwimmen zu einer der wenigen Lifetime-Sportarten zu ernennen, die man bis ins höchste Alter betreiben kann. Im Wasser können Sie fast alle Bewegungen ausführen, zu denen Sie Lust haben. Sie können sich drehen, eine Rolle machen, schweben, abtauchen und vieles mehr!

Problem Schwerelosigkeit

Im Leistungssport kann der Segen für die Gesundheit in manchen Momenten aber auch wie ein Fluch sein. So ist das Schwimmen die einzige Sportart auf der Welt, bei der Sie keine Möglichkeit haben, sich an einem Gegenstand festzuhalten oder zu orientieren bzw. die Schwerkraft zu nutzen, um eine Rückmeldung über Ihre Bewegungen oder Ihre Körperlage zu erhalten. Wasser hat buchstäblich keine Balken! Und weil jede Aktion eine Gegenreaktion hervor ruft, bedeutet dies gleichzeitig: setzen Sie einen Hebel falsch an, schieben Sie sich ohne gegenregulierende Maßnahmen in eine falsche Richtung.

Actio und Reactio

Drücken Sie beispielsweise mit den Handflächen zu stark nach außen, so schieben Sie Ihren Körper eigentlich seitlich, anstatt sich nach vorne zu beschleunigen. In solchen Momenten können Sie allein durch die visuelle Kontrolle Ihrer Augen, z.B. mittels einer korrigierenden Beinbewegung, die Schwimmrichtung beibehalten. Würden Sie mit geschlossenen Augen schwimmen, so käme es nach wenigen Metern zur Berührung der Leinen oder Beckenwände.

Bewegungsempfinden schulen

Leistungsorientiertes Schwimmen bedarf deshalb immer wieder der Techniküberprüfung. Regelmäßige Videoaufnahmen sind demzufolge ein unabdingbares Hilfsinstrument zum Erlernen der optimalen Technik, aber auch der Entwicklung eines individuellen Bewegungsgefühls. Oder anders ausgedrückt: wenn Sie nicht genau wissen, was Sie im Wasser machen, können Sie auch keine Eigenkorrekturen vornehmen. Doch seien Sie beruhigt: fast kein Schwimmer der Welt hat ein realitätsgetreues Abbild seiner Bewegung im Kopf. Doch je häufiger Sie sich selber sehen, desto feiner werden Ihre visuelle Vorstellung und die Synchronisation mit den kinästhetischen Empfindungen (z.B. Stellung der Hebel, Wassergefühl).

Wie schwierig die Entwicklung dieser Vorstellung und die Umsetzung von Bewegungskorrekturen sind, sieht man anhand von Bewegungsstudien. Auch wenn das Gefühl dem Gehirn signalisiert, die Bewegung ideal auszuführen, so findet man besonders in den folgenden Bereichen immer wieder starke Differenzen zur tatsächlichen Ausführung.

  1. Mittendrin statt nur dabei: der Kopf als Steuerinstrument

Die Kopfhaltung ist wesentlich bestimmender für die Wasserlage als man zunächst vermuten möchte. Häufig wird von der Stabilität des Rumpfes gesprochen, wenn es um die Optimierung einer strömungsgünstigen Position im Wasser geht. Dabei legt die Kopfhaltung die gesamte Körperlage fest. Das spüren Sie bereits, wenn Sie im Stehen den Kopf in den Nacken legen oder aber den Blick auf die Fußspitzen richten. Schon ändert sich Ihre gesamte Körperhaltung! Im Schwimmen spüren Sie diese Veränderungen nicht in dieser direkten Form – die Bedeutung ist aber dieselbe. In der optimalen Haltung sollte der Blick während der Streckphase deshalb zum Beckenboden gerichtet werden. Damit reduziert sich der Frontalwiderstand, das Becken hebt sich und die störenden Verwirbelungen werden verringert. Stoßen Sie sich im Training einfach einmal mit Blickrichtung nach vorne vom Beckenrand ab und wiederholen Sie die Übung mit streng nach unten gerichteter Blickrichtung. Sie werden den Unterschied deutlich sehen, obwohl es hier nur um wenige Meter geht. Es lohnt sich deshalb, die Kopfhaltung in der gesamten Schwimmtechnik zu überprüfen und zu korrigieren.

 

  1. Nicht zu früh greifen: das Wasserfassen

In vielen Ratgebern wird dem sogenannten Wasserfassen eine enorme Bedeutung zugeschrieben. De Idee dahinter ist es, die Antriebsflächen möglichst frühzeitig in einen optimalen Winkel zur Erzielung eines Vortriebs zu stellen. In Schwimmerkreisen hört man in diesem Zusammenhang häufig den Begriff des „Ellenbogenstellens“. Diese Bewegung ist sehr spezifisch und tendenziell eher unnatürlich, was dazu führt, dass häufig eine technisch unsaubere Phase des Wasserfassens zu beobachten ist. Um den Ellenbogen hoch anzustellen, sind gut ausgebildete Kräfte, vor allem des Latissmus Dorsi (der große Rückenmuskel), notwendig. Fehlen diese Kräfte, kommt es zu einem schwerwiegenden Technikfehler, der sich auf den gesamten Unterwasserzugverlauf auswirken kann. Dann nämlich, wenn der Ellenbogen die Hand und den Unterarm nach hinten wegzieht ohne dass diese Flächen in einem vortriebstechnisch optimalen Winkel zur Schwimmrichtung stehen. In diesem Falle ist die Gefahr groß, dass die folgende Druckphase an Effektivität verliert. Das ist tragisch, weil sie dort den größten Vortrieb erzeugen. Achten Sie deshalb darauf, den Beginn der Druckphase als technisches Merkmal höher einzustufen als ein vorzeitiges Wasserfassen.

  1. Wie ein Kanupaddel: Stabiles Handgelenk

Sicher kennen Sie die Form eines Paddels aus dem Rudersport. Dort gibt es zwischen dem Hebel, also der Paddelstange, und dem Blatt kein bewegliches Gelenk. Wäre ein Gelenk vorhanden, wäre es fast unmöglich, einen sauberen und effektiven Zug durchzuführen. Ein Problem, mit dem ein Schwimmer aber ständig zu kämpfen hat. So verfügt der Mensch mit dem Handgelenk über die Möglichkeit, die beiden Antriebsflächen Hand und Unterarm durch eine Beugung quasi voneinander zu trennen und ihre Impulse in verschiedene Richtungen zu bringen. Genau dieses Phänomen ist ein häufiges Problem in der Unterwasserphase. Schauen Sie sich Ihre Hand einmal separat an und heben Sie dann den gesamten Arm. Schauen Sie sich einmal an, wie groß die zusätzliche Unterarmfläche ist. Größer als die der Hand! Da man jedoch wegen der feineren Rezeptoren in der Handfläche deutlich stärker über die Hand empfindet und steuert, „verliert“ man den Unterarm häufig. Achten Sie deshalb auf die Stabilisierung des Handgelenks in der Unterwasserphase. Können Sie diese Haltung dauerhaft stabilisieren, vergrößern Sie die Antriebsfläche und schwimmen, ohne mehr Kraft aufwenden zu müssen, deutlich schneller!

Im zweiten Teil geht es um – KLICK HIER:

4. Beinarbeit

5. Druckaufbau

6. Atmung

7. Rennzutaten: Wende , Start


Von Holger Lüning

 

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