Studie: Welche Bedeutung hat eine frühe Spezialisierung auf die Leistungsfähigkeit im Spitzenbereich

Frühe Spezialisierung ja oder nein?

4076 SchwimmerInnen in der Langzeit-Betrachtung

Der Schwimmsport ist geprägt von sehr hohen Trainingsumfängen. Ideale Entwicklungschancen entstehen bereits in frühen Jahren und somit wird bereits im Kinder- und Jugendalter ein Hochleistungstraining mit hohen Umfängen realisiert, um bereits im Teenager-Alter auf Tuchfühlung mit der Weltklasse zu kommen. Einzelbeispiele wie der 15-jährige Michael Phelps als Endlaufteilnehmer der Olympischen Spiele 2000 in Sidney oder die Fabelweltrekorde der jungen Katie Ledecky zeigen auf, wie früh in die Spezialisierung gegangen wird.

Andererseits gibt es Studien, die darauf hindeuten, dass eine Spezialisierung in manchen Sportarten erst später erfolgen kann. So gibt es im Tennissport zahlreiche erfolgreiche Beispiele, deren Spezialisierung erst ab dem 15. Lebensjahr erfolgte.

Eine weitere Aufarbeitung des Themas finden Sie auf der Blog-Seite mit dem Thema “Frühe Spezialisierung im Nachwuchssport: Vor- und Nachteile” (Klick) und dem Hinweis auf ergänzende Studien. Hier wird die Frage erörtert, welche Vor- und Nachteile entstehen, wenn eine frühe Fokussierung auf eine Sportart/Disziplin erfolgt.

Nachteile könnten bei einer frühen Ausrichtung nach Fudel & Hamann (2016) wie folgt entstehen.

Nachteile einer frühen Spezialisierung

  • Höhere Verletzungshäufigkeit durch Überlastung
  • Gestörtes Wachstum und gestörte Reifung
  • Erhöhte Drop-Out-Rate aufgrund sozialer Isolation
  • Burn-Out, Ess-Störungen, mangelnde Selbstständigkeit
  • Erhöhter Leistungsdruck

So entsteht die Frage, inwieweit eine frühe Spezialisierung womöglich weitere Leistungsentwicklungen im Erwachsenenalter hemmen kann. Schließlich ist die drop-out-Quote junger Talente sehr hoch – besonders dann, wenn ihnen nicht auf Anhieb der Sprung in die Elite-Klasse gelingt. Was tun, fragen sich also Sportler, Trainer und auch Eltern.

Diese Studie hat in einer Langzeit-Untersuchung nach Ergebnissen und Empfehlungen geforscht.

Studie: PLOSOne, 14 (6), e0218601. (Abschrift des Abstracts hier)

Autoren: Yustres, I., Santos del Cerro, J., Martín, R., González-Mohíno, F., Logan, O. & González-Ravé, J. M. (2019).

Ziele:

Primäres Ziel war es, den Einfluss einer frühen Spezialisierung auf die Leistung von Senioren-Elite-Schwimmern zu untersuchen. Zweitens, um Informationen über den Einfluss des Schwimmstils, der Entfernung, des Geschlechts, des Status, des Landes, der Jahre des Hochleistungswettbewerbs (YHLC) und des Alters der Leistung des Schwimmers bereitzustellen.

Design:

Die Daten wurden von der International Federation of Swimming (FINA) zu den Teilnehmern der Junior- und Senioren-Weltmeisterschaften (WM) 2006–2017 erhalten. Die endgültige gefilterte Datenbank enthielt 4076 Schwimmer, nachdem diejenigen entfernt wurden, die nur an Junior-WCs teilnahmen.

Methode:

Cramer-V-Koeffizient, Tabellen mit zwei und drei Einträgen wurden verwendet, um die Beziehung zwischen den Positionen zu messen, die in der Junior- und Senior-Phase besetzt waren. Eine Einweg-ANOVA-Analyse wurde verwendet, um die Variablen Zeit und Rang zwischen Schwimmern zu erklären, die an der Junior- und Senioren-WM teilgenommen haben, oder nur Senioren in allen Entfernungen und Schwimmstilen (SS). Ein univariates allgemeines lineares Modell (GLM) wurde verwendet, um den Zusammenhang zwischen Zeit / Rang und Kategorie zu untersuchen (Schwimmer, die zuvor an der Junioren-WM teilgenommen hatten oder nicht); YHLC; Land; Status (höchste Zielposition: Finale / Halbfinale / Vorläufe) und Alter.

Ergebnisse:

Im GLM wurden für alle Variablen signifikante Unterschiede (p <0,001) mit Rang als abhängige Variable festgestellt. Dies zeigt, dass Schwimmer, die zuvor an Juniorenkategorien teilgenommen haben, in allen Interaktionen bessere Ergebnisse erzielten, mit Ausnahme von 1500 m Freistil. Es wurden signifikante Unterschiede (p <0,001) zwischen der Position der Variablen und dem YHLC festgestellt, was die Verbesserungen der Position der Variablen zeigt, wenn Schwimmer mehr WCs besuchten.

Fazit:

Die Teilnahme an der Junioren-WM hat auf der Grundlage der Studienergebnisse einen positiven Einfluss auf den späteren Erfolg der FINA-WM. YHLC wirken sich positiv auf die Erreichung besserer Platzierungen aus.