Studie: Die maximale Herzfrequenz bei Schwimmern

Gibt es Unterschiede der HFmax bei Sprintern zu Mittelstreckenschwimmern?

HFmax im Lauftest signifikant höher als beim Schwimmen

Die Ermittlung der maximal erreichbaren Herzfrequenz ist ein wesentlicher Parameter zur Steuerung des Trainings und der eingesetzten Intensitäten. Anders als Laktatwerte können Herzfrequenzwerte zu jedem Zeitpunkt am Beckenrand – sogar vom Sportler selber – erfasst werden. Damit erhält der Sportler einen “Blick in sein Inneres” und kann weitere Informationen, wie erzielte Zeit und wahrgenommene Anstrengung, mit den Herzfrequenzwerten koppeln und so zu einem wertvollen, individuellen  Datensatz verarbeiten.

Ist der Sportler im Laufe der Zeit in der Lage, seine Herzfrequenz anhand der wahrgenommen Anstrengung vorhersagen zu können, besitzt er ein wertvolles Mittel zur Steuerung der Intensitäten im Wettkampf. Diese Fähigkeit spielt besonders auf den Distanzen ab 200 Meter aufwärts eine Rolle und ist insbesondere für die Langstrecke, das Freiwasserschwimmen und den Triathlon eine Hilfe, um taktisch versierte Rennen schwimmen zu können, ohne sich zu sehr an den Mitbewerbern zu orientieren. Deshalb sollten regelmäßige Überprüfungen der HF-Werte anhand der Trainingsuhren (10 Sek Messdauer) zur Trainingsroutine gehören.

Die Realisierung eigener Renntaktiken ist demzufolge sehr eng an die Fähigkeit gebunden, die o.g. Parameter zu jedem Zeitpunkt des Rennens korrekt interpretieren zu können. So gibt die vorliegende Studie einen guten Einblick in diese Thematik.

Titel der Studie

Maximal Heart Rate for Swimmers

Autoren: Olstad, Bjorlykke & weitere

Erschienen: 12 Nov 2019, 7(11)

Zweck & Inhalt der Studie

Der Hauptzweck dieser Studie war es zu identifizieren, ob bei Sprintern im Vergleich zu Mittelstreckenschwimmern ein anderes Protokoll zur Erreichung der maximalen Herzfrequenz verwendet werden sollte. Da die Einbeziehung des Lauftrainings in das Schwimmtraining immer beliebter wird, bestand ein sekundäres Ziel darin, den Unterschied in der maximalen Herzfrequenz zwischen Front-Crawl-Schwimmen und Laufen unter Elite-Schwimmern zu bestimmen.

Methode 

Zwölf Elite-Schwimmer (4 weibliche und 8 männliche, 7 Sprinter und 5 Mittelstreckenschwimmer, Alter 18,8 Jahre und Body-Mass-Index 22,9 kg / m2) schwammen drei verschiedene Protokolle für die maximale Herzfrequenz unter Verwendung eines 50-m-, 100-m- und 200-m-Stufentests Protokoll gefolgt von einem maximalen Herzfrequenztest beim Laufen.

Ergebnisse

Es gab keine Unterschiede in der maximalen Herzfrequenz zwischen Sprintern und Mittelstreckenschwimmern in jedem der Schwimmprotokolle oder zwischen Land und Wasser (alle p ≥ 0,05). Es gab keine signifikanten Unterschiede bei den maximalen Herzfrequenzschlägen pro Minute (bpm) zwischen 200 m (Mittelwert ± SD; 192,0 ± 6,9 bpm), 100 m (190,8 ± 8,3 bpm) oder 50 m Protokoll (191,9 ± 8,4 bpm).

Die maximale Herzfrequenz war beim Schwimmen 6,7 ± 5,3 Schläge pro Minute niedriger als beim Laufen (199,9 ± 8,9 Schläge pro Minute beim Laufen; p = 0,015).

Fazit der Autoren

Wir schließen daraus, dass alle gemeldeten Stufentestprotokolle geeignet waren, um eine maximale Herzfrequenz beim Schwimmen während des Kraulschwimmtests zu erreichen, und schlagen vor, dass für Schwimmer, die auf Sprint oder Mittelstrecken spezialisiert sind, kein separates Protokoll erforderlich ist. Darüber hinaus empfehlen wir die Durchführung sportspezifischer Tests der maximalen Herzfrequenz für verschiedene Sportarten, um die aerobe Kapazität der heutigen Elite-Schwimmer zu verbessern.

Unsere Anmerkung

Bemerkenswert in dieser Untersuchung ist der Unterschied in der erreichten maximalen Herzfrequenz zwischen dem Schwimmen und dem Laufen. Beim Laufen lag die HFmax ca. 5 Schläge/Min. über den Werten beim Schwimmen. Aus Studien weiß man, dass der Hintergrund erstens in dem hydrostatischen Auftrieb im Wasser begründet ist und zweitens die belastete Muskulatur beim Laufen größer ist (z.B. Oberschenkelmuskulatur). Demzufolge müssen HF-Werte, die in anderen Sportarten bzw. in der Leistungsdiagnostik ermittelt werden, an die jeweilige Sportart angepasst werden. Dies sollte der Diagnostiker wie auch der Trainer in seiner Trainingsplanung berücksichtigen.