Schwimmtraining: weshalb 26 Grad notwendig sind

Die Wirkung kühlen Wassers auf das Schwimmtraining

Leistungssport vs. Gesundheitssport

„Heute kennt man von allem den Preis, aber von nichts den Wert“ – frei nach Oscar Wilde.

Die Diskussionen laufen schon vor dem Winter heiß. Um Energie zu sparen, kommen Städte und Gemeinden auf die unterschiedlichsten Ideen.

Ein Vorschlag bewegt die Gemüter im Schwimmsport, der die Empfehlung ausspricht, die Wassertemperatur in den Schwimmbädern um einige Grad zu senken. Einige Schwimmsportler – wie auch Olympiasieger Florian Wellbrock, siehe hier – haben sich dazu bereits kritisch geäußert. Wir wollen die Aspekte beleuchten.

Diskussion um die „Weicheier“

So entwickelte sich auf manchen Seiten der sozialen Medien ob solcher Meinungsäußerungen bereits eine lebhafte Diskussion, ob die Schwimmer nicht „Weicheier seien“, wenn sie nicht in der Lage wären, auch bei 22 Grad trainieren zu können. Und genau an dieser Stelle trennen sich die Meinungen und mit ihnen auch die Kompetenzen, hierüber ein Urteil sprechen zu dürfen.

So hat bereits eine Studie von 1993 (Neumann) dokumentiert, wie sich eine Reduzierung der Wassertemperatur auf den Organismus auswirkt. Ein einstündiges Training bei Temperaturen von 20 – 23° Grad Celsius kann ein Absenken der Körperkerntemperatur um 1° Grad Celsius bewirken. Mit dieser Reduzierung können spürbare Reaktionen des Organismus provoziert werden, wie z.B. (Quelle siehe hier)

  • Zittern
  • erhöhte Herzfrequenz
  • schweres Atmen
  • niedriger Blutdruck
  • schlechte Reflexe
  • Muskulatur wird „steif“ und unflexibel

Folgen für den Schwimmsportler

Neben diesen klar leistungsreduzierenden Reaktionen spielt die Wassertemperatur deshalb insbesondere im Training eine tragende Rolle. Das vor allem aus dem Intervalltraining bestehende Wassertraining erfordert entsprechende Pausen. Sie können je nach Zielrichtung des Trainings auch mehrere Minuten zwischen den einzelnen Intervallstrecken betragen, um eine vollständige Erholung zu gewährleisten.

Während dieser Pausen zu „frösteln“, würde die Trainingswirkung reduzieren.

Kaltes Wasser = schlechtes Training

Ist die Wassertemperatur im Bereich von 24° Grad Celsius und kühler, müssen die Pausenzeiten zwangsläufig verkürzt bzw. muss vollständig auf sie verzichtet werden. Diese Maßnahme reduziert die Wirksamkeit des Trainings weiter und sorgt zudem für eine zunehmend höhere Gefahr einer Unterkühlung (damit u.a. Erkältungen, Schnupfen etc. und somit Trainingsausfall). Mit einer kühlen Umgebung geht zudem das Risiko einer Verletzungsgefahr bei hohen Intensitäten einher. In der Summe alles andere als optimale Bedingungen, um Leistung zu bringen.

Dazu Florian Wellbrock in einem dpa-Statement: „Der Körper kühlt dann aus und versucht, sich irgendwie von innen warmzuhalten. Das zieht unnötig Energie die mir dann für das Training fehlt – und macht den Körper anfälliger für Krankheiten“, erklärte Deutschlands Vorzeigeschwimmer, der in Magdeburg im Becken bei 26,5 bis 28 Grad trainiert.

So hat es auch seinen Grund weshalb der Internationale Schwimm-Verband (FINA) die Wassertemperatur für internationale Wettbewerbe auf 26 Grad° (+/- 1 Grad°) Celsius festgeschrieben hat. Doch was auf Leistungssportler zutrifft, hat natürlich auch seine Auswirkungen auf den Nachwuchs.

Für Kinder wird bei Temperaturen unterhalb der 26-Grad-Marke der Aufenthalt im Wasser immer weniger zu einem Vergnügen. Vielmehr lernt das Kind im Stadium des Schwimmenlernens auf diese Art von vornherein das Wasser als etwas Unangenehmes kennen. Jeder Pädagoge, Trainer und Übungsleiter weiß, welche Folgen damit initiiert werden.

Für Schwimmer indiskutabel

Natürlich gibt es Menschen, die weniger empfindlich gegenüber diesen Temperaturen sind. Vielleicht liegt es aber auch an der Art ihrer körperlichen Beanspruchung sowie ihrer Konstitution, inwieweit sie diese Temperaturen als unangenehm empfinden. Ein gemäßigtes Dauerschwimmen bei niedriger Intensität kann sicherlich auch bei kühlerem Wasser durchgeführt werden. Doch darum geht es in der Diskussion nicht. Wir beleuchten hier die Probleme für den leistungsorientierten Sport, ganz gleich ob Olympiasieger, Nachwuchssportler oder Mastersschwimmer – nicht für den 20-Minuten-Hobby-Schwimmer.

Nicht selten sind das übrigens die Badegäste, die danach am längsten unter der heißen Schwimmbaddusche stehen, um ihren eigenen häuslichen Etat zu entlasten.

Fest steht: ein ein- bis zweistündiges Training unter dem Aspekt des Leistungssports ist bei Wassertemperaturen unter 26° Grad Celsius allein aus wissenschaftlicher und trainingsmethodischer Sicht nicht realisierbar. Mit den geplanten Maßnahmen einer Reduzierung der Wassertemperatur entzieht man dem Schwimmsport eine weitere wichtige Grundlage für seine Entwicklung – neben den ohnehin knappen Wasserflächen – und der damit verbundenen sozialen Aufgabe, die u.a. auch die Gesunderhaltung der Menschen einbezieht.

Mitunter wird die Rechnung am Ende teurer, wenn man zunächst am falschen Ende spart.