Krafttraining: VOR oder NACH dem Schwimmen?

Krafttraining vor dem Schwimmtraining oder danach?

Studien & Erfahrungen

Das Training eines Schwimmers findet seit vielen Jahren nicht mehr nur ausschließlich im Becken statt – dies ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Kraft- und Athletiktraining gehören mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Trainingsregime leistungsambitionierter Schwimmer. Dieses Wissen findet bereits in der Jugendklasse Anwendung, auch wenn dort größtenteils ein Trockentraining mit kräftigendem Charakter unter Einsatz des eigenen Körpergewichts stattfindet.

Im Erwachsenenbereich hingegen ist der Weg in den Kraftraum schon lange mehr kein außergewöhnlicher Programmpunkt innerhalb der Trainingsplanung. Dabei gibt es einige individuelle Gewohnheiten und Vorlieben, das Gewichtetraining vor oder nach dem Schwimmen zu absolvieren. Oftmals handelt es sich dabei um verschiedene Aussagen zum Wassergefühl, je nachdem, ob man vorher oder nachher das Krafttraining durchführt. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?

Studienlage widersprüchlich?

In Untersuchungen aus dem Jahr 2012 konnte beispielsweise festgestellt werden, dass ein moderates, vorheriges Ausdauertraining zu einer erhöhten Testosteron-Produktion und somit das nachfolgende Krafttraining in der Wirkung unterstützen und zudem zu schnelleren Regenerationszeiten führen könnte. In einer neueren Studie hingegen wurde genau diese Erkenntnis widerlegt.

Finnische Studie

Diese Studie der finnischen Universität Jyväskyla unterteilte Sportler in zwei Gruppen, die über 24 Wochen hinweg ein Krafttraining vor und eine andere Gruppe ein Krafttraining nach einem Ausdauertraining absolvierten. Nach der Hälfte der Periode stellten die Wissenschaftler eine mindere Kraftentwicklung und verlangsamte Regenerationszeiten in der Gruppe fest, die ein vorheriges Ausdauertraining absolvierten. Die Annahme war, dass die anabolen Prozesse aufgrund der höheren Müdigkeit bei Aufnahme des Krafttrainings nicht im gleichen Maße „ansprangen“ wie bei der zweiten, ausgeruhten Gruppe.

Ergebnis interessant

Jedoch stellte sich ab der 13. Woche eine zunehmende Gleichstellung der Trainingseffekte heraus, die bis zum Ende des Untersuchungszeitraums auf das exakt gleiche Niveau kamen. Beide Gruppen verbesserten nach 24 Wochen ihre Kraftfähigkeiten in gleichen Prozentsätzen und wiesen das identische Muskelwachstum auf.

Moritz Schumann, einer der Leiter der Untersuchung, stellte am Ende fest, dass es offenbar unnötig sei, die Reihenfolge der Trainingsinhalte nach wissenschaftlichen Erkenntnissen festzulegen. Vielmehr würden die Ergebnisse dafür sprechen, die Organisation des Trainings an erster Stelle in Abhängigkeit von Zeit, örtlichen Gegebenheiten und anderen, den Trainingsablauf beeinflussenden Faktoren, vorzunehmen.

Mit Krafttraining wird man schneller

Dennoch gilt auf jeden Fall die Empfehlung, bei zwei oder mehr Einheiten im Kraftraum pro Woche, die Trainingsinhalte so zu wählen, dass die spezifischen Auswirkungen und Belastungen mit einem nachfolgenden Schwimmtraining ideal kombiniert werden sollten. Werden die Ergebnisse der Untersuchungen und Aussagen der Experten zusammengefasst, so scheint sich aber die Durchführung des Krafttrainings vor einem schon zeitlich deutlich längeren Ausdauertraining als tendenzielle Empfehlung heraus zu kristallisieren.

Lese-Tipp: Einführung in das Krafttraining für Schwimmer > KLICK!


Ein Artikel von Holger Lüning

 

3 Gedanken zu „Krafttraining: VOR oder NACH dem Schwimmen?

  • Pingback:Sollte man das Gewicht-Training vor oder nach dem Ausdauer-Training durchführen – DER AUSDAUERSPORT-EXPERTE

  • 11. März 2018 um 09:37
    Permalink

    Hallo, Holger,
    ich bin hier über ein YouTubeVideo gelandet, das ich sehr interessant fand. Dann habe ich den Artikel zu einem Thema gelesen, in dem ich mich sehr gut auskenne, um zu checken, was du so darüber weißt und sagst. Sehr gut finde ich die Einbindung von Studien, allerdings wird die Sache eindeutig, wenn man die Theorien zur Wirkung von Krafttraining berücksichtigt, dass es auf jeden Fall am Schluss kommen muss. Entweder wirkt Krafttraining nämlich wegen dem erhöhten Muskeltonus, dem erhöhten Stoffwechsel oder dem Neuaufbau der zerstörten Muskelzellen bzw. einer Kombination aus aus den dreien. Alles würde durch ein anschließendes Ausdauer- oder was auch immer geartetes Training gestört.

    Antwort
    • 14. März 2018 um 23:51
      Permalink

      Hallo Thorsten,
      vielen Dank für deinen Kommentar und die Hinweise.
      Grundlage des Artikels ist ja die Frage, die sich dem Ausdauersportler stellt, dessen Hauptaugenmerk auf dem Ausdauertraining liegt. D.h. im Kern steht damit die Fragestellung: wann platziere ich das ergänzende Krafttraining, so dass es a) mein Ausdauertraining möglichst wenig beeinträchtigt und b) das Leistungspotenzial erweitert. Natürlich wäre Krafttraining effektiver, wenn es nicht durch ein Ausdauertraining (ob davor oder danach) gestört oder gar irritiert wäre. Hier macht es aber die beste Kombination aus, da das KT immer nur eine Ergänzung darstellt. Ausdauertraining und KT als Kombination ist demzufolge immer ein Kompromiss. Die Frage war deshalb: welcher ist der beste Kompromiss für den Schwimmer bzw. Ausdauersportler. Insofern gilt es hier natürlich Abstriche zu machen hinsichtlich der Effektivität des KTs, da es niemals die reine, also isolierte, Trainingsart sein kann. Nach wie vor eine nicht ganz leichte Aufgabe, die zudem auch mitunter recht individuell ist.
      Viele Grüße
      Holger

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