Studie: Qualität der Wende und der Einfluss auf die Gesamtleistung über 200 Meter

Wer schneller wendet, schwimmt auch schneller?

Wie hoch ist der Einfluss einer schnellen Wende auf die 200m-Gesamtzeit

Eine gute Wendentechnik hat im Schwimmsport viele Aspekte. Schließlich geht es bereits beim Anschwimmen darum, das Tempo so lange es geht auf einem hohen Niveau zu halten anstatt es vor der Wand übermäßig zu reduzieren. Daraus ergibt sich die nächste Aufgabe, nämlich aus einem sehr hohen Tempo eine koordinativ überragende Wendentechnik zu realisieren.

Im Anschluss gilt es, einen möglichst festen Wandkontakt zu finden, um daraus einen kraftvollen Abstoss zu erzeugen. Mittels einer optimierten und widerstandsarmen Körperposition ist das Bestreben, das sehr hohe Tempo aus dem Wandabstoss in die Unterwasser- und Übergangsphase mitzunehmen, d.h. zu konservieren, um in der abschließenden Breakout-Phase die bestmögliche Geschwindigkeit zu transferieren. Diese kurze Zusammenfassung zeigt allein, wie anspruchsvoll dieses Rennsegment ist und welche Chancen darin liegen.

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Auf der Suche nach einer Studie, die uns weiteren Aufschluss über den Einfluss einer guten Wendentechnik gaben kann, sind wir auf die folgende Untersuchung gestoßen, die wir hier zusammenfassen.

Titel der Studie

Analysis of underwater phase after the turn and its relation to race performance: Data from Japanese elite male 200 m swimmers

Autoren: Ikuta, Y., Takahashi, H. & Tachi, M.

Erschienen: In Japanese Society of Sciences in Swimming and Water Exercise (Hrsg.), XIII th International Symposium on Biomechanics and Medicine in Swimming Proceedings (Biomechanics and Medicine in Swimming, XIII). (S. 395-399). 2018.

Inhalt der Studie:

In Japan wird die Analyse der Leistung von Schwimmwettkämpfen bei großen nationalen Wettbewerben seit mehr als 30 Jahren vom wissenschaftlichen Ausschuss der Japan Swimming Federation durchgeführt. Die Ergebnisse der Rennanalyse zeigten, dass nicht nur die Leistung der “reinen Schwimmleistung”, sondern auch die Leistung der Start-, Wende- und Zielkomponenten das Ergebnis des Wettbewerbs beeinflussten.

Im Allgemeinen bewegen sich Schwimmer nach dem Wandabstoß Unterwasser, sodass die Leistung der Wendentechnik durch die Unterwasserphase beeinträchtigt werden kann, die der Schwimmer nach dem Abstoßen von der Wand zurücklegt.

Die Unterwasserphase nach der Wende war jedoch bei großen japanischen Wettbewerben nie analysiert worden. Ziel dieser Studie war es daher, die Unterwasserphase nach der Wende und ihren Zusammenhang mit der Rennleistung bei 200-m-Schwimmern der japanischen Elite zu analysieren.

Methode:

Insgesamt wurden die Leistungen von 190 männlichen 200-m-Schwimmern analysiert.

Es wurden alle Rennen mit zwei Videokameras aufgezeichnet, die mit dem offiziellen Zeitmesssystem synchronisiert wurden. Für jede Wende über die 200m-Rennen wurde die Wendenzeit aus dem Zeitpunkt berechnet, zu dem der Kopf des Schwimmers die Markierungen 65, 115 und 165 m erreicht, sowie aus den offiziellen Zwischenzeiten von 50, 100 und 150 m.

Auch die Unterwasserphase (d.h. die nach dem Abstoß Unterwasser zurückgelegte Strecke), die der Schwimmer nach dem Abstoßen von der Wendewand zurücklegte, wurde unter Verwendung der 2D-DLT-Technik analysiert.

Die durchschnittliche Unterwasserstrecke nach der Wende in den 200-m-Rennen unterschied sich zwischen den jeweiligen Lagen:

Schmetterlingschwimmen: 8,28 ± 1,50 m

Rückenschwimmen: 9,65 ± 1,96 m

Brustschwimmen: 9,22 ± 0,85 m

Freistilschwimmen: 6,32 ± 1,25 m.

Fazit der Autoren:

Es wurden positive Korrelationen zwischen dem offiziellen Ergebnis und der Wendenzeit gefunden, und eine negative Korrelation wurde zwischen der Unterwasserstrecke und der Wenden für alle Lagen gefunden, was darauf hinweist, dass ein schnellerer Schwimmer eine kürzere Wendenzeit hatte und länger Unterwasser war und eine längere Strecke nach dem Abstoßen von der Wendewand zurücklegte.

Unsere Anmerkung

Diese Studie zeigt recht eindeutig, welche Bedeutung eine gute Wendentechnik hat. Nicht nur, dass die isolierte Wendenzeit einen Einfluss auf die Gesamtzeit hat, sondern auch die Qualität der Unterwasserphase nach dem Abstoß. Trainer und Sportler sollten deshalb unbedingt Trainingszeit einplanen, um diesen Rennanteil adäquat zu trainieren. Besonders wichtig ist es dabei, das Wettkampftempo zu erzeugen, um eine rennähnliche Situation zu simulieren.

Gleiches gilt natürlich auch für den Start, welcher ebenfalls als wichtiger Bestandteil angesehen werden sollte und schließlich auch der Beginn eines jeden Rennens darstellt und damit zu einem großen Teil die Anfangsgeschwindigkeit ausmacht. Grundsätzlich gilt: jeder Abstoß, ob Startblock oder Wand, ermöglicht die Erzeugung eines höheren Tempos als im “freien Schwimmen” und sollte demzufolge auch als große Chance wahrgenommen werden.