Trainingspause: der etwas andere Wiedereinstieg

Ein Gastbeitrag von Martin Klein, Mastersschwimmer.

Der unkonventionelle Wiedereinstieg ins Wassertraining

Nach langer Zwangspause zurück im Schwimmtraining

Mein etwas ungewohnter Einstieg nach 7 Monaten Schwimmpause ist eine Art „mentales Experiment“. Normalerweise würde man sich in den ersten Schwimmeinheiten, nach so einer langen Wasserabstinenz, an das Wassergefühl erst gewöhnen wollen, lange und lockere Serien zum Reinkommen bevorzugen und alles erst unter einem gewissen Grundlagencharakter ansehen. Von Sprints und anderen schnellen, harten  Sachen wäre eigentlich sogar abzuraten.

Mal etwas anderes probieren: Auftaktrennen

Ich wählte für mich einen etwas unkonventionellen Einstieg auf der 25m-Bahn und bin direkt in meiner ersten Einheit, nach einem 800m langen Einschwimmen, mit ein paar kleinen 12,5m Sprints, 100m maximal in meiner Hauptlage Rücken geschwommen. Meine Zeit war dabei 1:15. Zum Vergleich: meine Bestzeit im Training, in absolut fitten Zustand, ist eine 1:06 und die Wettkampfzeit eine 1:02,0, geschwommen in der AK40. (Alles Kurzbahn).

Die Zeit, die ich im ersten Training geschwommen bin, ist an sich nicht so entscheidend. Viel wichtiger war für mich, herauszufinden, wie ich mich „mental“ während des Test-Rennens gefühlt habe. Dabei muss ich noch erwähnen, dass ich mich während der langen Schwimmpause (bedingt durch den Lockdown) natürlich mit anderen Sachen fit gehalten habe.

Laufen und Radfahren mehr als nur Lückenfüller?

Ich bin im Schnitt 30 bis 40km gelaufen und ca. 200 bis 300km die Woche Rad gefahren, so dass ich vom körperlichen Fitnesszustand recht gut in meine erste Wassereinheit gegangen bin. Dennoch ist eine 100m-Schwimmstrecke eine ganz andere Belastung als z.B. eine 100km lange Radausfahrt. Das Laktat und der Puls sind dabei viel höher und die ganze Schwimmbewegung, zusätzlich in dieser Geschwindigkeit, fühlt sich ungewohnt an.

Die Herausforderung war, sich eben an dieses „Unbekannte“ heranzuwagen und es mal auszuprobieren. Das Resultat war, dass ich schon in der zweiten Schwimmeinheit, 2 Tage später, in der ich das gleiche Programm der ersten Einheit wiederholte, schon eine beachtliche 1:09 „hingezaubert“ habe. Nicht nur mein Wassergefühl war in der 2. Einheit schon deutlich besser, auch meine mentale Seite war gestärkt. Ich konnte die Strecke beim zweiten Mal viel aggressiver angehen und hatte weniger Angst hinten „wegzubrechen“, wie man im Schwimmjargon sagt.

Warum also nicht mal anders?

Das „Experiment“ hat sich für mich definitiv gelohnt, würde es aber an dieser Stelle nicht jedem empfehlen. Es hat mir gezeigt, dass ich z.B. keine Angst haben muss, etwas anzugehen, vor dem ich nicht weiß, wie es sich anfühlen wird oder ob es überhaupt geht. Meine mentale Seite ist dabei gestärkt worden und ich kann mit einem guten Gefühl die nächsten Schwimmeinheiten angehen.


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