Studie: Schnellere 1.500-m-Zeiten durch bessere Wenden

Viele Wenden bedeuten viele Möglichkeiten

Die Bedeutung der Wendentechnik im Langstreckenschwimmen

Die Bedeutung des Starts im Kurzstreckenbereich ist eindeutig und muss nicht erklärt werden. Schließlich geht es darum, schneller im Wasser zu sein und mit einem möglichst hohen Tempo in die Gesamtbewegung überzugehen. Gleiches trifft auf die Wendentechnik zu. Wer beim Anschwimmen weniger Tempo verliert, sich schnell dreht und explosiv abstösst, ist im Vorteil.

Tipp: hier geht es zum Artikel “Übungen zur Verbesserung der Start- und Wendentechnik” > KLICK

Im Langstreckenbereich liegt der Fokus oftmals nicht auf einer Verbesserung der Wendentechnik obwohl sie von der Anzahl her bemerkenswert sind. In einem 1.500-Meter-Rennen im 50-Meter-Becken kommt man schließlich auf 30 Bahnen und somit auf 29 Wenden und folgerichtig 29 Gelegenheiten, gegenüber den Mitbewerbern Zeit herauszuholen – oder auch nicht. Und dann wäre es ein erheblicher Nachteil. Denkt man an die Konsequenzen für ein Rennen auf der 25-Meter-Bahn wird es sogar dramatisch!

Liegt der erarbeitete Zeitvorteil auf der langen Bahn bei nur 0,1 Sekunden, so sind es im Endeffekt 2,9 Sekunden! Das ist womöglich viel mehr als man auf den ersten Blick glauben mag. Deshalb ist die folgende Studie interessant, die wir hier zusammenfasse.

Titel der Studie

Swimming turn performance: the distinguishing factor in 1500m World championship freestyle races?

Autoren: Polach, M., Thiel, D., Kreník, J. & Born, D.-P. (2021)

Erschienen: BMC Research Notes

Inhalt und Ziel der Studie

Wendenabschnitten stellen den zweitgrößten Teil der gesamten Rennzeit bei 1500-m-Freistil-Rennen dar und können die Rennergebnisse erheblich beeinflussen.

Ziel der Studie war es daher, einzelne Rennstrategien zu untersuchen und die Auswirkungen von Start-, Schwimm- und Wendenleistungen zwischen Kurz- und Langstreckenrennen zu vergleichen.

Methode

Bei den Kurz- (n = 8, Alter 22,8 ± 2,4 Jahre, FINA-Punkte 953 ± 27) und Langstrecken-Weltmeisterschaften 2019 (n = 8, Alter 23,3 ± 2,2 Jahre, FINA) wurden von allen männlichen Finalisten Videoaufnahmen gesammelt und für die anschließende Analyse der Start-, Dreh- und Schwimmleistung verwendet.

Ergebnisse und Fazit der Autoren

Die größere Anzahl der Wenden bei Kurzstreckenrennen führte zu deutlich kürzeren Rennzeiten (p <0,001), aber langsameren mittleren Wendezeiten im Vergleich zu Langstreckenrennen (p <0,001).

Die gesamte Rennzeit korrelierte eng mit dem Schwimmen und Wenden, jedoch nicht mit der Startzeit bei Kurz- (r = 0,76, p = 0,030) und Langstreckenrennen (r = 0,96, p <0,001). Die Analyse der einzelnen Rennstrategien ergab, dass die Wendenleistung die Rennergebnisse bei 9 der 16 weltbesten 1500-m-Schwimmer beeinflusste und die Medaillenwertung des 1., 3. und 4. Kurz- sowie des 1. und 2. Langstreckenfinalisten verbesserte.

Trainer, Athleten und Leistungsanalysten sollten die Bedeutung der Wenden-Leistung zusätzlich zu den Fähigkeiten des Freischwimmens sorgfältig abwägen.