Eigenanalyse: Analyse der konditionellen Fähigkeiten

Individuelle Leistung und konditionelle Fähigkeiten

Die wichtige Bestandsaufnahme

In Teil 1/2 haben wir uns mit der individuellen Renn-Analyse beschäftigt und welche Konsequenzen für die Trainingsplanung daraus entstehen.

Teil 1 noch nicht gelesen? Dann mit einem > Klick dorthin.

Diese Auflistung der 50-Meter-Wettkampf-Analyse liest sich wie ein umfangreiches Lastenheft. Und das schon bei der kürzesten aller Wettkampfstrecken im Schwimmsport! Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit, und ohne individuelle Stärken und Schwächen einzubeziehen, wird doch eines sehr deutlich: jedes Rennen, ganz gleich welcher Länge, besitzt sehr spezifische Anforderungen. Und die zahlreichen psychologische Komponenten haben hier noch einmal Berücksichtigung gefunden!

Spezialisierung hat Konsequenzen

Eine Spezialisierung erfordert deshalb auch eine Konzentration auf die Aspekte, die schlussendlich rennentscheidend sind oder zumindest darüber entscheiden, ob Sie eine persönliche Bestzeit erzielen können. Zusätzlich eröffnet diese Liste die Aufteilung der Trainingsschwerpunkte nach Land- und Wassertraining. Wo kann ich welche Fertigkeiten am besten trainieren?

Im Kern darf an dieser Stelle behauptet werden: ohne eine detaillierte Analyse der Rennaspekte läuft Ihr Training Gefahr, zunehmend unspezifisch zu werden. Damit büßen Sie Chancen und Potenziale ein!

Das Ganze besteht immer aus kleinen Teilen

Gliedern Sie Wettkampfereignis nun in die vielen Einzelsegmente. Daraus ergibt sich vor allem die Chance, mittels der zahlreichen Erkenntnisse aus der Analyse, das Endergebnis deutlich zu verbessern. Denken Sie nur an die oben beschriebenen Phasen des Starts. Nicht nur, dass Sie bei besserer Reaktionsgeschwindigkeit schneller im Wasser sind. Mit einem optimalen Eintauchwinkel, einer dynamischen Unterwasserphase und einem gelungenen Übergang in die Gesamtbewegung gewinnen Sie nicht nur ein paar Hundertstel- bis Zehntelsekunden – Sie werden auch mit höherem Tempo in die ersten Meter starten und somit viel länger von diesen Verbesserungen profitieren. Unter günstigen Umständen nehmen Sie diesen Vorteil bis zum Anschlag mit!

Jedes Rennsegment ist spezifisch

Genau hier liegt die große Chance, die persönliche Leistungsbereiche anzuheben. Denn jedes Segment beeinflusst das folgende Segment eines Wettkampfrennens.

Erstellen Sie doch für Ihre Wettkampfstrecke ein solches Profil. Zunächst könnten Sie das anhand der konditionellen Fähigkeiten tun. In der Trainingswissenschaft spricht man von vier konditionellen Fähigkeiten, die wiederum Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben und somit in der Analyse von großer Bedeutung sind.

Was ist Kondition?

„Keine Kondition“ zu haben, gibt es in der Trainingswissenschaft nämlich nicht. Vielmehr werden dem Begriff der konditionellen Fähigkeiten gleich mehrere motorische Erscheinungsformen zugeteilt.

So bestehen sie aus den folgenden Komponenten.

 

Ergänzt wird dieses Portfolio von den koordinativen Fähigkeiten, die sich im Sport als Koordination oder auch sportliche Technik äußern.

Geht man noch weiter ins Detail, so entstehen weitere Präzisierungen, wie z.B. bei der Kraft. So unterscheidet man hier weiter in Kraftausdauer, Maximalkraft, Schnellkraft und weitere Nuancen. Schnittmengen zwischen den Fähigkeiten entstehen an vielen Punkten und sind bereits in der Bezeichnung, wie z.B. Kraft-Ausdauer, deutlich erkennbar.

Demzufolge gibt es viele Mischformen und folgerichtig auch Abhängigkeiten und womöglich auch Kompromisse.

Die folgende Grafik zeigt diese Verknüpfungen einzelner konditioneller Fähigkeit. Die Schnelligkeitsleistungen werden immer auch von den individuellen Kraftfähigkeiten bestimmt. Handelt es sich um eine maximale sportliche Leistung über eine Zeitdauer bis maximal ca. 35 Sekunden spricht man in der Sportwissenschaft von der Mischform Schnelligkeitsausdauer. Hier vermischen sich demzufolge die Komponenten Schnelligkeit und Ausdauer.

Abhängigkeiten erkennen und im Training berücksichtigen

Genau diese trennscharfen Linien zu finden und das eigene Training danach auszurichten, ist die Basis für überdurchschnittliche Leistungen. Das gilt für den Top-Schwimmer genauso wie für den Mastersschwimmer. Sie alle eint das Ziel, individuell möglichst schnell zu schwimmen!

So sind Sie beispielsweise als 200-Meter-SchwimmerIn aufgefordert, genau den Trainingsmix zu finden, der Sie schnellstmöglich über die Strecke bringt und dem Training das maximale Maß an Effizienz verleiht. Eine Kombination aus Schnelligkeit und Ausdauer, die exakt auf die Länge der Belastungszeit zugeschnitten werden sollte; gleichzeitig in Abstimmung mit Ihren vorhandenen Fähigkeiten. Mit jeder Überlegung wird Ihre Trainingsplanung konkreter.

Plötzlich wird deutlich, von wie vielen Parametern Ihr eigenes Rennen abhängt. Eine schriftliche Analyse dessen, was Ihre Paradestrecke von Ihnen fordert, ist daher eine sinnvolle zeitliche Investition. Eine Fleißarbeit, die eigentlich keine sein sollte, vielmehr gern erfüllte Pflichtaufgabe.

Einen klaren Plan entwickeln!

Denn wie heißt es? „Wer nicht weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt!“ Machen Sie sich einen Plan, erschaffen Sie Ihre persönliche Route inkl. Meileinsteinen und Zwischenetappen, um Ihr bisheriges Training „zu entrümpeln“ und noch gezielter an die geforderten Fähigkeiten gehen zu können.

Eine gute Planung ist der halbe Erfolg? Angesichts der Analyseoptionen, die sich bieten, darf der Anteil der Soll-/Ist-Analyse sogar etwas höher eingeschätzt werden.

Widmen Sie sich dieser Hausaufgabe mit Konzentration und Engagement – die investierte Zeit wird sich für Sie lohnen. Denn es ist nicht nur das gute Gefühl, eine echte Strategie zu haben. Es ist ein wenig wie mit der Klassenarbeit. Je klarer die Anforderung definiert ist, umso fokussierter können Sie das Vorhaben angehen und erwarten, ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Was daraus entsteht, ist nicht nur ein zufälliges Nebenprodukt: Motivation, Ehrgeiz und die Freude zu spüren, dass Sie Ihr Plan aufgeht!

Range of Motion: mehr Reichweite erzielen

Ein wichtiges Thema, das oftmals etwas in Vergessenheit gerät, ist die Reichweite. Hier das Video zu Tipp 37. Mit einem Klick auf das Motiv startet das Video.

Ein Beitrag von Holger Lüning, Titelfoto: Michael Lapp