Tipp #68: Technikübungen – trainieren statt nur üben?

Trainieren statt üben als wichtige Trainingsvariante?

Nutzen und Grenzen der technischen Übungen (TÜ) im Schwimmsport

Technische Übungen (TÜ) sind im Schwimmsport sehr beliebt. Besonders im Seiteneinsteiger-Bereich ist mit der Durchführung der TÜ die Hoffnung verbunden, dass sich automatisch die Schwimmtechnik und damit auch das Schwimmtempo verbessert. Im Leistungsbereich hingegen erfüllen die TÜ häufig vor allem den Zweck der Sensibilisierung. Es scheint sich also durchaus einmal zu lohnen, diese Aspekte zu überprüfen.

Je mehr TÜ desto besser – gibt es den Automatismus?

Je mehr TÜ durchgeführt werden, umso besser wird die Schwimmtechnik!? Da ist vielleicht der Wunsch auch der Vater des Gedanken bzw. der Hoffnung. Frage- und Ausrufezeichen hinter dieser Aussagen lassen die vage Hoffnung erahnen. Tatsächlich gilt es genau hinzusehen. Das Manko von Technikübungen könnte hier liegen:

  • zu langsame Ausführung
  • zu komplizierte Abläufe
  • geringer Transfer der Abläufe in das Schwimmen in Wettkampf-Technik
  • mangelhafte Ansteuerung der Rezeptoren

So scheint der Transfer in die gewünschte Zieltechnik oft gar nicht möglich zu sein. Zu langsam ist die Bewegung, zu verschachtelt und kompliziert. Aus diesem Grunde sind einige Übungen zwar für die kinästhetische Wahrnehmung und Schulung gut geeignet, doch sind sie immer mit Bedacht und klarer Zielstellung zu wählen. Deshalb gilt es immer zu überprüfen, ob es sich bei der TÜ nicht vielleicht sogar um eine ganz eigene Schwimmtechnik handelt und ein Transfer überhaupt nicht angesteuert werden kann.

Das Video mit vielen weiteren Tipps & Anregungen

Einfach auf das Motiv klicken und schon startet der Clip. Viel Spaß mit Impressionen aus unserem Schwimm-Camp auf Teneriffa (Infos hier)!

 

Technikübung mal anders denken

Sei es jetzt hinsichtlich der technischen Ausführung oder auch der Geschwindigkeit!

So ist es auch im Training immer wieder hilfreich, Routinen zu hinterfragen. Denn tatsächlich gibt es den gewünschten Automatismus leider nicht. Je mehr TÜ desto besser die Schwimmtechnik – dies ist leider ein Trugschluss.

Variationen bringen neue Reize

So müsste eine TÜ zur Verbesserung der Ellenbogen-Vorhalte ja nicht nur die Position trainieren, sondern – um diese schwierige Position überhaupt halten zu können – auch die dafür notwendige Muskelkraft. Hier liegt die Grenze des Möglichen und womöglich zugleich die Chance!

Wie wäre es denn, technische Übungen ab und an mit Intensitäten zu schwimmen? Z.B. im Rahmen eines Overload-Trainings mit zusätzlichen Widerständen?

Daraus ergäben sich völlig neue Empfindungen über Druck und Gegendruck – der Lerneffekt könnte immens wachsen. Oder eine andere Variante, wie z.B. ausgewählte TÜ auch mal in höherem Tempo zu absolvieren, um zu kontrollieren, inwieweit sie unter diesen Bedingungen immer noch korrekt durchgeführt werden kann.

Diese und andere Varianten können das Techniktraining enorm bereichern. Es geht vor allem auch darum, Regeln zu hinterfragen und die Wahrscheinlichkeit eines Transfers der Übung immer zu überprüfen. Und plötzlich mag man feststellen, dass dieser Transfer eher mäßig ist.

Dieser Beitrag soll deshalb anregen, Trainingsroutinen zu hinterfragen und damit auch Leistungsstagnationen aufzubrechen. Also, einfach mal ausprobieren und alte Muster aufbrechen. Viel Spaß und Erfolg dabei!